Mädchen mit dem blauen Auge (II)

Mädchen mit dem blauen Auge
Komm mit mir
Laß mich Himmelswonne schauen
Folge mir
Draussen in dem stillen Tale
Bei dem blassen Mondesstrahle
Wandeln wir

Wandeln hin zur frischen Quelle
Die da rauscht
Wo auf jeder Silberwelle
Armor lauscht
Dort will ich dich mit Entzücken
An den heissen Busen drücken
Unbelauscht

Ich küss dich du küsst mich wieder
Satt geküsst
Setzen an die Quell uns nieder
Die da fliesst
An der schönsten Marmorgrotte
Die dem kleinen Liebesgotte
Himmel ist

Schönes Mädchen also blühen
Lilien auf
Und an deinen Wangen blühen
Rosen auf
Hier auf diesen sanften Hügeln
Tänzelt Amor mit den Flügeln
Ab und auf

Meisterstück von Schöpferhänden
Der Natur
Wohlgebaut und schlank von Lenden
Lächle nur
Wie ein junges Schilf am Moose
Kamst du aus der Mutter Schoße
Zart hervor

Lass dich an mein Herze drücken
Lasse dich
Herzen küssen mit Entzücken
Küsse mich
Holdes Mädchen meine Triebe
Lohne du mit Gegenliebe
Jungfräulich

Mädchen hier vor deinen Füssen
Kniet dein Freund
Und läss´st du ihn Küss genießen
Wie es scheint
Wird er täglich sich bestreben
Bloß allein für dich zu leben
Treu vereint

Text: vermutlich Karl Reinhard (1809)
Musik: mündlich aus dem Hessen-Darmstädtischen 1839, 1846
in Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895, 527a)

Geschichte dieses Liedes:


Liederthema:
Liederzeit: (1809)

Abweichungen im Text

Zusatzstrophe auf einem Fliegenden Blatt (etwas später):

Sieh das Opfer meiner Liebe ist vollbracht
Mädchen, dieses ist der Liebe Zaubermacht
Engel sollen dich begleiten
Wenn du gehst an meiner Seiten
gute Nacht

Anmerkungen zu "Mädchen mit dem blauen Auge (II)"

Der Text ist Ende des 18. Jhs. entstanden, als Verfasser wird Karl Reinhard vermutet. Vor allem im 19. Jh. ist das Lied ungeheuer populär gewesen, aber viele Sammler und Herausgeber haben den Text bei der Wiedergabe verkürzt oder „verharmlost“ ( Erotische Lieder aus 500 Jahren, 1979)

"Mädchen mit dem blauen Auge (II)" in diesen Liederbüchern

Der Text in:

  • a) Bacchus, Mars und Armorn oder den Schutzgöttern lustiger Brüder gewidmet (zweite vermehrte Auflage, Zürich 1809)
  • b) laut Böhme in „Volkstümliche Lieder“ zuerst als fliegendes Blatt „Fünf schöne neue Lieder (das 2.) (wohl um 1810)
  • c) Fliegendes Blatt, etwas später und mit einem auf das Lied bezüglichen Holzschnitt: Sieben schöne Neue Lieder (das 1.) Ganz neu gedruckt, Text mit einer Strophe Zusatz

 

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