Judenverfolgung in Frankfurt

Volkslieder » Balladen » Historische Lieder

Judenverfolgung in Frankfurt

Text und Musik: Verfasser unbekannt
nach der Melodie der Schlacht von Pavia
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 302)

Mitgeteilt von Elias Ullmann in Frankfurt a. M. an Paul Lindau und gedruckt in dessen Zeitschrift „Gegenwart“ Bd. XI. Nr. 4 S. 62 (27. Jan. 1877). Der Einsender erklärt dort die Umstände über Verwendung und Erhaltung dieser Melodie.

Der Aufstand unter dem Anführer Vincenz Fettmilch in Frankfurt 1614 hatte die Austreibung der Juden, und dann die folgende Untersuchung 1615 die feierliche Wiedereinführung der Ausgetriebenen zur Folge gehabt.

Beide Tage, der Austreibungs- und der Einführungstag werden bis auf den Tag in der hiesigen Synagoge durch einen Fast- und Festtag gefeiert. Bis vor kurzer Zeit wurde nun am Morgen des letzten Tages, dem sogenannten „Purim Vinz“ (nach Vincenz Fettmilch benannt), der erste Abschnitt des Morgengebets nach der Melodie der Schlacht von Pavia gesungen, als ein getreues Andenken an das 1615 gedichtete Vinzlied, das in zahlreichen Knittelversen diese Austreibung und Einführung besang und seitdem mehrfach gedruckt war.

Auf diese Weise hat sich die Melodie des historischen Volksliedes von der Schlacht bei Pavia 1525 bis auf unsere Tage erhalten, obschon sein Text auf immer verschwunden zu sein scheint.“

Soweit der Bericht Ullmann’s, von dem ich nur einen Auszug gebe. Dazu sei folgendes bemerkt:

Die Melodie hat Musik für eine Strophe von 4 Zeilen. Ein vierzeliiges Pavierlied ist allerdings bis jetzt nicht bekannt geworden und wird nicht einmal unter den Tonangaben zu anderen historischen Texten angeführt, sondern man kennt nur einen acht-, einen sechs- und einen fünfzeiligen Pavierton (s. R. v. Liliencron, Töne zu den hist. Liedern Nr. 78—80 und Altd. Liederbuch Nr. 389, 390, 376). Wohl möglich, dass es auch ein vierzeiliges Lied gegeben hat. —

Die Musik klingt nicht wie Gesang, sondern instrumental, wie ein Trompeterstück, und ihre Chromatik und der Oktavsprung weisen sicherlich nicht auf das 16. Jahrh., sondem auf spätere Umgestaltung hin. Immerhin bleibt sie als Weise eines historischen Liedes auf Judenverfolgung 1615 interessant. Sie würde auch zum fünfzeiligen Pavierlied passen, wenn man die 4 Anfangstakte wiederholt, wie solches auch in dem metrisch gleichgebauten Lindenschmidstone geschieht. Vergl. auch die Ähnlichkeit des Anfangs mit dem Fragmente von 1525 (s. oben Nr. 271).

Liederthema:
Liederzeit: (1615)
Schlagwort: |
Region:

.