Bremer Stadtmusikanten

Es ging ein Schäfer unter Bäumen

Erotische Lieder | Schäferlieder | | 1658 |

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Es ging ein Schäfer unter Bäumen
Es gieng ein schärfer vndern bäumen
vnd lägte sich in schatten hin,
alsbald da fieng ihm an zu träumen,
wie er bey seiner schäfferin
nicht nur allein die gunst verlohren,
sie hätt ihm auch den todt geschworen.

Er muste auch darzue verschmirtzen
wie sie bey einem andern saß
vnd ließ sich freündtlich von ihm hertzen,
sie legte sich die läng inß graß,
ließ ihr begreiffen wohl die brüste,
alß ob sie stille halten müeste.

Sie hatte noch zu seinen schösse
die wollweiche händ gelegt,
die lämmer nagten an dem mose,
daß ctte verfluchte wurtzel trägt
vnd sehefn] zu bey iedem büssen,
wie sie den schäffer konte küssen.

Sie lag gantz bloß vnd nackhendt oben
eß war ihr sommerleichter rockh
biß an die knie hinauff gehoben,
sie labte seinen schäfferstock
mit seinem außgegerbten stihle,
der ihr so treflich wohl gefiehle.

Er lägte sich auff sie fein sachte,
sie thät, als schlieff sie trüber ein,
als wüste sie nit, was er machte,
ach, schäffer, was soll dises sein?
sprach sie mit ebtwas sauer  sehen,
als eß schon alles war geschehen.

Sie gab ihm offt gar sauer blückhe
vnd sah ihn doch auch freündtlich an,
beklagte ihm ihr vngelückhe,
wie das er ihr zu vihl gethon
vnd thete doch, als ob sie wolte,
daß er noch eins versuchen solte.

Er sprach: du darfft dich nicht befahren
ob eß schon würdt ein junger söhn
so bald er kombt zu seinen jähren,
so soll er heissen Coridon
würt sich daß widerspihl erweisen,
so soll es nach der muetter heissen.

Indeß erwacht er auß dem schlaffe,
beklagte seine liebespein,
verfluchte sich vnd seine schaffe,
die so verlassen musten sein
vnd das er schlaffendt muste sehen,
was offtmahl wachendt war geschehen.

Drauff warff er stab vnd taschen nider
vnd schrye auß voller liebeßmacht:
zu euch komme ich wohl schwerlich wider,
ade, ihr wesen, gute nacht,
sagt, das ein vnglückhhafftes lieben
mich armen schäffer hat vertriben.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in: Liederhandschrift des Friedrich Schwehle aus 1658, S. 138 ff. — Hilarius Lustig ca. 1690, Nr. 5; vgl. Meusebach-Hayn, S. 13. — Liederbuch des Clodius, 1669, Nr. 25; vgl. W. Niessen, Das Liederbuch des Leipziger Studenten Clodius vom Jahre 1669 [1891], S. 65 = Vierteljahrsschrift für Musikwissenschaft, VII. [1891], 638). – Anmerkungen bei Blümml: Schamperlieder (1908)

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