Bremer Stadtmusikanten

Ich hatt mir ein Ännelein vorgenommen,

Erotische Lieder | , | | 1710 |

Ich hatt mir ein Aennelein vorgenommen,
Ich vermeynte, sie solte um zwölfte heimkomme
da kam mein Bruder Baltzer (Balthazar) zu mir:
Was hast du mit deinen Aennelein für?
Das soltu nicht verschweigen, verschweigen,
Das soltu nicht verschweigen.

Bruder Baltzer, meine Sachen stehen wohl
Wenn ich dirs nur verdrauen soll
Und meine Sache bey dir verschwiegen.
So ihr solt heinte bey Aennelein liegen,
Schweig still und laß dichs nicht mercken,
Schweig still und laß dichs nicht mercken

Was hat mich den nächten zu den Weine getragen
Was wird mein Aennelein dazu sagen,
Daß ich so lange bin außen geblieben,
Sie meynt, ich hätte ein Schertz getrieben,
Dazu bracht mich mein Bruder, Bruder,
Dazu bracht mich mein Bruder.

Ich kam vor meiner Wirthin ihr Hauß,
Sie leichten mir tapfrer mit Brügeln heraus,
In Häußlein ließ sich niemand meldten
Es fiengen zwey Hündelein an zu bellen,
Sie bletzten mir an mein Fersen, Fersen,
Sie bletzten mir an mein Fersen.

Wer ist mir in mein Häuselein kommen?
Das haben zwey Hündelein wohl vernommen
Bey Nacht, bey Nebel, bey verschloßner Thür;
Steh auff, laß Bruder Baltzern herfuhr,
Daß er die Sache nicht verschertze, verschertze
Daß er die Sache nicht verschertze.

Ich fiel wohl über ein Scheit Holtz danieder
Botz hundert, fiedel auff, wie fiel ich so übel
Ich fiel wohl vor die hinter Thür,
Da wischte ein schwartzbrauns Mägdel herfür
Sie hätte mich balde erhaschet, erhaschet
Sie hätte mich balde erhaschet.

Ach Aennelein, liebstes Aennelein mein,
Ich weiß mir ein gutes Känngen mit Wein,
Wir wollens hinter den Offen tragen;
Wir wollen ein kleines Müthlein habe
In des vergeht uns der Zorne, der Zorne,
In des vergeht uns der Zorne

Er führet sie wohl auff die Dännen
Er thät ihr als wie der Hahn mit der Hennen,
Die beyde, die hätten ein großen Strauß,
Gleichwie das Kätzlein mit der Mauß;
Da schlug der Seiger eines, eines,
Da schlug der Seiger eines.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in: Bergliederbüchlein ca. 1700/10, S. 64 ff., Nr. 50. — Vgl.  Kopp, S. 45, Nr. 60
bei Emil Karl Blümml, Schamperlieder, 1908

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