Bremer Stadtmusikanten

Relation relation von Fillis und von Coridon

Relation, relation von Fillis vnd von Coridon
sehr wunderseltzam bossen
Cupido hat vor kurtzer weil
sie alle beede mit eim pfeil
biß auff den todt geschossen.

Diß ist gegangen also zu
die Fillis hielt mittagesrueh
vnter einer grüenen eichen;
hirt Coridon wirdt diß gewar
vnd meint, sie sey gestorben gar,
thet leise zu ihr schleichen.

Küsst sie auff ihren rothen mund,
zu sehn, ob sie noch sey gesund
ob ihr aussgeh der athem
Cupido klein des gar wol lacht
bey sich in seinem hertzen dacht:
wer hat dir das gerathen?

Es zuckht herfür sein gülden pfeil
aus seinem köcherlein in eyl,
auff ihre hertzlein zihlet
wz gschicht? der schoss gar wol gerüt,
spalt beide hertzlein in der mit,
groß schmertz ein iedes fihlet.

Jetzundt dz tausendt schelmelein
gibt sich nun an, ihr artzt zu seyn.
hört, wz es braucht, merckht eben:
es nam der Filii kränzlein ab
vnd Coridon sein hirtenstab
zur artzeney must geben.

Nun ligen sie beed in der cur,
wie wirdts doch immer gehen nur?
wir wollens bald erfahren,
wie sie Cupido hab vexiert
vnd was er hab heraus curiert
nach dreyen Vierteljahren.

*) Streiche; ») darüber lacht. – Hilarius Lustig hat:
Cupido klein diß gar wol acht; 3 ) geriet.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in: Liederhandschrift des Friedrich Schwehle aus 1658, S. 136 f. — Zuerst in den Waldliederlein des Jon. Herrn. Schein, 1626; Tugendhafter Jungfrauen und Jungengesellen Zeitvertreiber des Hilarius Lustig, ca. 1690, Nr. 182 ; vgl. Meusebach-Hayn, Tugendhaftster Jungfrauen und Jungengesellen Zeitvertreiber [1890], S. 20). Mit Anmerkungen in Schamperlieder, 1908

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Liederthema: Erotische Lieder
Liederzeit: (1628)
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