Bremer Stadtmusikanten

Es ging ein Mägdlein zarte (Tod und das Mädchen)

Es ging ein Mägdlein zarte
Früh in der Morgenstund
In einen Blumengarten
Frisch, fröhlich und gesund
Der Blümlein es viel brechen wollt
Daraus ein Kranz zu machen
Von Silber und von Gold

Da kam herzu geschlichen
Ein gar erschrecklich Mann
Die Farb war ihm verblichen
Kein Kleider hatt er an,
Er hatt‘ kein Fleisch, kein Blut, kein Haar
Es war an ihm verdorret
Sein Haut, und Flechsen gar

Gar häßlich tät er sehen
Scheußlich war sein Gesicht
Er weiset seine Zähne
Und that noch einen Schritt
Wohl zu dem Mägdlein zart
Das schier für großen Ängsten
Des grimmen Todes ward

Nun schick dich Mägdlein, schick dich
Du must mit mir an Tanz
Ich will dir bald aufsetzen
Ein wunderschönen Kranz
Der wird dir nicht gebunden sein
Von wohlriechenden Kräutern
Und zarten Blümelein

Der Kranz, den ich aufsetze
Der heißt die Sterblichkeit
Du wirst nicht sein die letzte
Die ihn trägt auf dem Haupt
Wie viel allhie geboren sein,
Die müssen mit mir tanzen
Wohl um das Kränzelein

Der Würmer in der Erde
Ist eine große Zahl
Die werden dir verzehren
Dein Schönheit allzumal
Sie werden deine Blümlein sein
Das Gold, und auch die Perlen
Silber und Edelstein

Willst du mich gerne kennen
Und wissen, wer ich sei?
So hör mein Namen nennen,
Will dir ihn sagen frei
Der grimme Tod werd ich genannt
Und bin in allen Landen,
Gar weit und breit bekannt

Die Sense ist mein Wappen
Das ich mit Rechte führ
Damit tu ich anklopfen
Jedem an seine Tür
Und wenn sein Zeit ist kommen schon
Spät, früh, und in der Mitten
´s hilft nichts, er muß davon!

Das Mägdlein voller Schmerzen
Voll bittrer Angst und Not
Bekümmert tief im Herzen
Bat: Ach du lieber Tod
Wollst eilen nicht so sehr mit mir
Mich armes Mägdlein zarte
Laß länger leben hier

Ich will dich reich begaben
Mein Vater hat viel Gold
Und was du nur willst haben
Das all du nehmen sollt
Nur lasse du das Leben mir
Mein allerbeste Schätze
Die will ich geben dir

Kein Schatz sollt du mir geben
Kein Gold noch Edelstein
Ich nehm dir nur das Leben
Du zartes Mägdelein
Du must mit mir an meinen Tanz
Daran noch kommt manch Tausend
Bis daß der Reihn wird ganz

O Tod, laß mich beim Leben
Nimm all mein Hausgesind
Mein Vater wird dirs geben
Wenn er mich lebend findt
Ich bin sein einzigs Töchterlein
Er würde mich nicht geben
Um tausend Gulden fein.

Dein Vater will ich holen
Und will ihn finden wohl
Mit seinem Hausgesinde
Weiß, wenn ich kommen soll
Jetzund nehm ich nur dich allein
O zartes Mägdlein junge,
Du must an meinen Reihen.

Erbarm dich meiner Jugend
Sprach sie mit großer Klag
Will mich in aller Tugend
üben mein Lebetag
Nimm mich nicht gleich dahin jetzund
Spar mich noch eine Weile
Schon mich noch etlich‘ Stund

Drauf sprach der Tod: Mit nichten
Ich kehr mich nicht daran
Es hilft allhier kein Bitten
Ich nehme Frau und Mann
Die Kinderlein zieh ich herfür
Ein jedes muß mir folgen
Wenn ich klopf an die Tür

Er nahm sie in der Mitten
Da sie am schwächsten was
Es half be ihm kein Bitten
Er warf sie in das Graß
Und rührte an ihr junges Herz
Da liegt das Mägdlein zarte
Voll bittrer Angst und Schmerz

Ihr Farb that sie verwandlen
Ihr Äuglein sie verkehrt
Von einer Seit zur andern
Warf sie sich auf der Erd
All Wollust ihr vergangen war
Kein Blümlein mehr wollt holen
Wohl aus dem grünen Gras

Text und Musik: Verfasser unbekannt
Siehe Der Tod und das Mädchen
in: Des Knaben Wunderhorn I, 1808

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Liederthema: Lieder vom Tod
Liederzeit: (1808)
Schlagwort: |




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