Der Bauer schickt den Jockel aus

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Der Bauer schickt den Jockel aus

Der Bauer schickt den Jockel aus
Er sollt den Hafer schneiden
Der Jockel, der wollt den Hafer nicht schneiden
Wollt lieber zu Hause bleiben

Der Bauer schickt den Knecht hinaus
Er sollt´ den Jockel holen.
Der Knecht, der wollt den Jockel nicht holen
Der Jockel, der wollt den Hafer nicht schneiden

Der Bauer schickt den Hund hinaus,
Er sollt‘ den Knechte beißen.
Der Hund, der wollt den Knecht nicht beißen,
Der Knecht, der wollt den Jockel nicht holen,
Der Jockel, der wollt den Hafer nicht schneiden.

Der Bauer schickt den Knippel ’naus,
Er sollte den Hund schlagen.
Der Knippel, der wollt den Hund nicht schlagen,
Der Hund, der wollt den Knecht nicht beißen …

Der Bauer schickt das Feuer ’naus,
Es sollt‘ den Knippel brennen.
Das Feuer, das wollt den Knippel nicht brennen,
Der Knippel, der woll den Hund nicht schlagen …

Der Bauer schickt das Wasser ’naus,
Es sollt‘ das Feuer löschen.
Das Wasser, das wollt das Feuer nicht löschen,
Das Feuer, das wollt den Knippel nicht brennen …

Der Bauer schickt den Ochsen ’naus,
Er sollt‘ das Wasser saufen.
Der Ochs, der wollt das Wasser nicht saufen,
Das Wasser, das wollt das Feuer nicht löschen …

Der Bauer schickt den Fleischer ’naus,
Er sollt den Ochsen schlachten,
Der Fleischer, der wollt den Ochsen nicht schlachten,
Der Ochse, der wollt das Wasser nicht saufen …

Der Bauer schickt den Geier ’naus,
Er sollt den Fleischer holen.
Der Geier, der wollt den Fleischer nicht holen,
Der Fleischer, der wollt den Ochsen nicht schlachten …

Der Bauer schickt die Hexe ’naus,
Sie sollt den Geier bannen.
Die Hexe, die wollt den Geier nicht bannen,
Der Geier, der wollt den Fleischer nicht holen …

Der Bauer schick‘ den Henker ’naus,
Er sollt die Hexe verbrennen.
Der Henker, der wollt die Hexe nicht verbrennen,
Die Hexe, die wollt den Geier nicht bannen …

Der Bauer schickt den Vater naus,
Er soll den Henker töten.
Eh ich mich will töten lassen, will ich die Hexe verbrennen.
Eh ich mich will verbrennen lassen, will ich den Geier bannen.
Eh ich mich will bannen lassen, will ich den Fleischer holen.
Eh ich mich will schlachten lassen, will ich den Ochsen schlachten.
Eh ich mich will schlachten lassen, will ich das Wasser saufen.
Eh ich mich will saufen lassen, will ich das Feuer löschen.
Eh ich mich will löschen lassen, will ich den Knippel brennen.
Eh ich mich will brennen lassen, will ich den Hund schlagen.
Eh ich mich will schlagen lassen, will ich den Knecht beißen.
Eh ich mich will beißen lassen, will ich den Jockel holen.
Eh ich mich will holen lassen, will ich den Hafer schneiden.

Eine typische Zählgeschichte, die heute noch bei den Kindern sehr beliebt ist. Ursprünglich bei gemeinsamen Arbeiten wie Spinnen, Nähen oder Stricken gesungen.
siehe auch

Liederthema:
Liederzeit: vor 1905 : Zeitraum:
Schlagwort:
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Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen:

Die Geschichte vom Herrn bzw. Meister, der den Jockel ausschickt, geht vermutlich zurück auf das etwa 2500 Jahre alte aramäische Lied „Chad Gadjâ„, das traditionellerweise zu Beginn des Pessach-Festes gesungen wird. Es gehört zu den Zählliedern, bei denen in jeder folgende Strophe das Vorhergesagte rückwärts wiederholt und am Schlusse das Ganze in umgekehrter Folge aufgezählt wird. Diese Zähllieder dienten auch zum Zeitvertreib und zur Gedächtnisübung. Das älteste ist das von den zwölf heiligen Zahlen.

Der deutsche Liederhort (1894) führt unter den Nummern 1743 – 1745 einige Variationen dazu an: da schickt der Herr den Jäger“, der Bauer den Jäckele und der Meischter den Jockele.

Man bediente sich der Zähllieder auch in den Rockenstuben, beim Flachsflechten und Spinnen, „um den Wetteifer anzuregen: in soviel Zeit, als zum Vortrage einer Reimzeile erforderlich ist, einen Faden abzuspinnen und diese nach jenen zu zählen. Geschickte Spinner bringen es dahin, die längste Strophe abzusingen und abzuspinnen, ehe eine andere mit Einem Faden und Einer Reimzeile oder mit einer kurzen Strophe fertig geworden“. (Meinert, Kuhländische Volkslieder S. 442)