Wer da stürmen und streiten will (1546)

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Wer da stürmen und streiten will
der zieh dem König aus Denmark zu
er streit nach großen Ehren
er hat gezwungen Städt, Land und Leut
darzu die schwäbischen Herren, ja Herren.

Es wohnt ein Edelmann im Frankenland
Der nahm ein Haufen Landsknecht an
So fern in dem Oberlande
Er führets dem König aus Denmark zu
Auf Wasser und zu Lande, zu Lande

Er führets wohl auf die hohe See
Der Reif, der Schnee der tät ihn‘ weh
Darzu der bitter Hunger
Ein Landsknecht zu dem andern sprach
Hilf Gott, wären wir zu Lande, ja Lande!“

Sie kamen gen Kopenhagen an das Land
War manchem Landsknecht wohl bekannt
Sie wurden gar schon empfangen
Mit Falkenetlein und Hackengeschütz
Mit Karthaunen und mit Schlangen, ja Schlangen

Die Stadt stund etlich Schützen preis
Sie Schossen drein mit ganzem Fleiß
Sie schossen all geleiche
Wohl unter die schwedischen Reuterlein gut
Von Stund an mußten sie weichen, ja weichen.

Ist es nicht ein große Schand
Der König aus Dänmark leit uns im Land
Er will uns all verderben — “
Sprach ein alter schwedischer Baur
Es ist seins Vaters Erbe, ja Erbe

Sie zugen auf ein hohen Berg
Sie machten die Ordnung die was schlecht
Mit ihren Hopfen-Stangen
Ein Landsknecht zu dem andern sprach
Wie hat es dir ergangen, ergangen?

Sie zugen über ein weites Feld
Sie steckten die Spieß wohl in die Erd
Sie fielen auf ihre Knie nieder:
Hat irgend ein Landsknecht ein Sünd getan
Gegen Gott soll er sie büßen, ja büßen.

Wer ist der uns das Liedlein sang?
Ein freier Landsknecht ist er genannt
Er hät’s so wohl gesungen
Er ist dreimal in Dänmark gewesen
Und ist allwege wieder kommen, ja kommen.

Er singt uns das und noch viel mehr
Gott tröst all frumm Landsknechten ihr Seel
Die vor Kopenhagen umb sind kommen
Ist irgend ein frommer Landsknecht hie
Tut mir ein freundlichs bringen, ja bringen

Text: Verfasser unbekannt
Musik: auf „Ton von der Stadt Thamm“
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 283)

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1546)

Anmerkungen zu "Wer da stürmen und streiten will"

Fl. Bl. 8, 4 Bll. „Ein New Lied von dem König auß Denmark. In dem thon von der Stadt Thamm zu singen: Ein ander Lied, Ich armes brüderlein, wie sitz ich hier beim wein.“ (Holzschnitt unten). Am Ende: Gedruckt zu Nürmberg durch Valentin Newber i. I. (c. 1550). K. Bibl. Berlin, v. Meußbach’s Sammlung 7V45 (früher im 8. Sammelband).

Aus Titel , Anfang und Inhalt des voranstchenden , von Dr. v. Liliencron nicht gekannten Liedes ersehen wir dreierlei:

  • 1) dass von diesem Liede der „Dänmerkerton“ seinen Namen hatte,
  • 2) dass dieser einem älteren Siede von der Stadt Tham entlehnt war. Tham ist hier die Stadt Dam (Apingadam) in Friesland, jetzt holländisch. Ein histor. Lied (Lil. 289) besingt, wie Herzog Georg von Sachsen 1514 diese Stadt gewonnen hat. Anfang dieses niederd. Textes: „Wat willen wy aver Heven an, van einem fürst lavesam ein nves led to singen etc… “ Dies Lied ist offenbar gemeint; wenn dasselbe sechszeilige Strophenform (erweiterte Lindenschmidstrophe) hat, so kümmerte solches den Volkssänger nicht ; er half sich durch Weglassen oder Wiederholen der 4. Melodiezeile, wie wir solches auch beim Schweizer Lindenschmidston fanden. — Vermuthlich war diese Singweise noch älter, vor 1514 schon gekannt als sechszeilige. —
  • 3) Der um die Mitte des 17. Jahrh. (1647— 1653) mehrfach angeführte Ton: „Wer da stürmen und streiten will“, ist gleich dem hierstehenden Dänemerkerton, denn mit diesen Worten fängt unser Lied an. Angeführt ist dieser Ton zu den hist. Liedern bei v. Lil. 548, 551, 582, 655 und Soltau 393. Somit ist für alle 3 Tonangaben die Melodie hier gefunden.

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