Und wollt ihr hören ein neu Gedicht (1525)

Niederlage der fränkischen Bauern

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Und wollt ihr hören ein neu Gedicht
Wie sich der Bauer auf Schalkheit verpflicht?
Gelübd und Eid vergessen
Die Herren vertreiben überall
Das haben sie sich vermessen, ja vermessen

Am Sunntag Jubilate ging es an
Da sah man manchen stolzen Bauersmann
Wohl über das Feld her ziehen
Und do es an ein Treffen [bei Ostheim] ging.
Wie nah war ih’n das Fliehen, ja fliehen

Zum Dorf ein was ihn’n allen gach
Manch stolzer Mann der eilt ihn nach
Begehrt sich an ihnen zu rächen
Flieht! flieht! das war ihr Geschrei
Ihr Ordnung taten sie zerbrechen, ja zerbrechen.

Da nun daselb also zuging
Manch Bauer großen Schaden empfing
An Leib und auch an Gute
Flieht! Flieht! das war ihr best Geschrei
Wie angst war ihnen zu Mute, ja Mute!

Da nun der Abend schier herging
Das Dorf auch großen Schaden empfing
Von wegen großer Feure
O Herre Gott, der großen Not!
Das Lachen ward ihnen teure, ja teure.

Die Nacht die drang nun auch heran
Ein weiß Kreuz in einer roten Fahn
Und sunst zwei Fähnle darneben
Das trugen die Bauern zum Dorf heraus
Gefangen täten sie sich geben, ja geben

Herr Sigmund v. Heßberg und die zween Hauptleut
Die drei die ritten zu dem Dorfe hinein
Die Wehren sollten sie von sich legen.
Des waren die Bauren also froh,
Ihr keiner tat sich regen, ja regen

Die Bauren machten einen Ring
Dazu die Frummen von Kriechending
[wohl Kreding im Schwarzachtal]
Und wollten merken gar eben
Und was ihnen kam für neue Mär
Den Eid tat man ihnen geben, ja geben.

Da nun das Alles geschach
Der Bauernhaus gar zerbrach
Und tat sich gar zertrennen
Ein Jeder wieder fein zu Haus
Mit laufen und mit rennen, ja rennen

Ja wer hat mehr gehört solchs geschicht?
Zwölftaufend Bauren hatten sich zu einander verpflicht
Hab und Gut zu gewinnen
Sieben hundert Mann schlugen sie aus dem Feld
Die Kunst tat ihnen zerrinnen, ja zerrinnen

Wollt ihr wissen, warum es ist also gangen?
Sie taten als hätten sie Gott gefangen
Das Sakrament zertreten, die Bildnuß zerbrochen
Das hat Gott nit mügen erleiden
Und an ihnen gerochen, ja gerochen.

Nun darf es dem frommen Fürsten Niemand verkehren
Darum Hab ichs ihm gesungen zu Ehren.
Sein Leut und Land hat er tan retten.
Wären die Bauren daheime geblieben.
Die Münch singen lassen ihr Metten, ja Metten!

Das haben die Bauren nit wollen ton
Darum hat man ihnen geben den Lohn,
Mit Reiter und mit Knechten.
War ein jeder geblieben zu Haus,
Er hätt nit dürfen fechten, ja fechten.

Und wer ist, der dies Liedlein hat gesungen?
Mit dem Brandenbergischen Haufen ist er hingedrungen.
Er hat sich müssen wehren.
Dazu (trieb) ihn Gelübd und Eid
Darum darfs Niemand verkehren, ja verkehren.

Er singt uns das und singt uns mehr
Gott behüt allen Jungfrauen ihr Ehr.
Vor allen bösen Zungen.
Er danket Gott in seinem Reich
Daß ihm nit misselungen, ja misselungen.

Text: Verfasser unbekannt
Musik: auf die Melodie von „Es geht ein frischer Sommer daher“
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 275)

Fliegendes Blatt von 1525: „Ein hübsches Lied in der Weiß: „Es gat ein frischer Summer daher“ Daher Gödeke-Tittmann, Liederbuch des 16. Jahrh. S. 289. Auch bei Görres S. 268; von Liliencron Nr. 383.

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