Bremer Stadtmusikanten

So manche grause Schreckenstat (Friedrich Wilhelm Schulze)

Liebeskummer | Moritaten | Raub-Mord-Totschlag | , | | 1910 |

So manche grause Schreckenstat passiert noch heut
die über viele Menschen bringet Not und Leid
Der Vater bringt die Kinder um, die Frau den Mann
und mancher aus Verzweiflung fängt das Saufen an.
Also hat in jüngster Nacht jemand eine Tat vollbracht:
lausig, grausig, ruppig, struppig, hundsgemein
sperrt sein Weib im Keller ein
Hackt sie, packt sie, knufft sie, pufft sie, murkst sie ab
bis sie Ihren Geist aufgab.

Friedrich Wilhelm Schulze hatt´ ein Weib Marie
ein treues Weib voll Biedersinn wie keines nie
Wer nie sein Brot mit Tränen aß und nie die Nacht
Auf seinem Bette weinend sitzend zugebracht
der kennt nicht die Pein, die Qual, die ihr machte der Gemahl
Raufen, Saufen, stündlich, schwindlich, voll und dick
schenkt Ihr keinen Augenblick
bis Ihr, riß ihr, wie sie sagte, die Geduld
Friedrich Wilhelm Schulze war an allem schuld

Neben diesem Schwindelschulze nebendran
wohnt ein andrer Schulze, ein solider Mann
während jener Schulze in der Kneipe trank
blieb der andre Schulze heimwärts tagelang.
dem vertraut sich die Marie aus Hypochon- und Melancholie
schmerzlich herzlich, innig, minnig fühlt er mit
was Madame Schulze litt.
heilend, teilend, fühlt er, kühlt er ihren Gram
bis ihr Mann zuhause kam

Zwar waren beide sich nun gar nichts Böses sich bewußt
Sie war betrübt, er tröstete die trostesleere Brust
Doch selbst der Tugend Wege gehn zuerst durch grüne Au´n,
Ihr Fortgang aber bringt Gefahr, wie man auch hier kann schaun.
Eines Abends um halb neun dachten sie allein zu sein
Saßen, aßen, — dulce Schulze, dachten sie
Söffe wie das liebe Vieh
Tränke, sänke endlich untern Stuhl
Wo er ja so oft schon ful

Doch Eifersucht und Leidenschaft, Verrat und Niedertracht
Die hatten Friedrich Wilhelm um den Durst gebracht
Sein Herz entbrannte drob gar arg voll böser Jalousie
Er ahnete des Sängers Fluch bei seiner Frau Marie
Trank drauf noch ein Glas Anis, ein Glas Kümmel überdies
Fluchte, suchte seinen kleinen Bambus drauf
Schlich sich zuhaus in stillem Lauf
Wankend, schwankend trat er bitter in die Tür
Wo er findet ihn mit ihr

Frau Schulze wurde ganz perplex, obwohl sie schuldig nicht
Der Nachbar Schulz´ verlor den Kopf, knöpft zu den Rock sich dicht
Und Friedrich Wilhelm Schulze stand wie ein geknicktes Rohr
Und sprach mit fürchterlicher Stimm: Wie kommste mich denn vor?
Wie Frau Schulz´ ihn noch beschwört, Schulze jetzt auf nichts mehr hört
Drücket, knicket, fletschet, quetschet zornentbrannt
Den unschuldigen Schulze an die Wand
Trampelt, strampelt, zupft und knufft mit Bein und Fuß
Bis die Seel der lassen muß

Das erste Opfer war nun tot, jetzt packt ihn Weiberhaß
noch war die Wand, neu tapeziert, von Schulzes Blut ganz naß
Da schreit er höhnisch: Spaß muß sin, die Liebe ist mich tot!
schleppt die Marie ins Kellerloch und kitzelt sie dort tot
Hackt sie, noch lebendig, klein, pökelt sie wie Salzfleisch ein
steckt sich schließlich einen Regenschirm in´n Leib
spannt ihn auf zum Zeitvertreib
pltzt sich dann auf solche Weise selber tot
Gnade seiner Seele Gott!

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Krokodilstränen (1970)

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