Bremer Stadtmusikanten

Seid nur lustig ihr Brüder (Landauer Lied 1849)

Seid´s nur lustig, ihr Brüder
Das Ding freut uns mächtig
Der Kronprinz von Preußen
der spielt uns so prächtig
Er schickt´ ein‘ Trompeter
in die Stadt bald herein
und ließ uns schon melden
daß die Festung wär sein

Der Kommandant von Landau
gab die Antwort darauf:
„Die Festung von Landau
die geben wir´s nicht auf
Die Festung, die geben wir´s
nimmer mehr her
und wenn die Preußen sie wollen
sollen sie marschieren daher“

Wir lieben die Freiheit
Und brauchen´s keinen König
Wir sind freie Männer
Und fürchten uns wenig
Und wenn auch die Stadt liegt
zerschossen in. Asche
wenn nur unser Schnupftuch
nicht brennt in der Tasche

Wir haben´s Kanonen
auch Pulver und Blei
und sein´s dazu
gute Patrioten dabei
Wohlauf, Patrioten
auf die Schanzen hinaus
und jaget die Preußen
zum Lande hinaus

Text und Musik: anonym – bei Glock :  Badischer Liederhort (1910), Nr. 78 „Das Landauer Lied“ ; S. 266: aus Walldorf , Amt Wiesloch , mündlich , nach 1890 , daher bei Steinitz II ,1962 – vergleiche auch das Badnerlied

Das Lied geht zurück auf ein älteres Lied auf die Belagerung von Landau durch die Preußen von 1793.
Steinitz schreibt zu diesem Lied: Das Lied entspricht nicht der historischen Realität von 1849. Während in Baden die ganze Armee zu den Revolutionären übergegangen war, waren es in der bayrischen Rheinpfalz nur ungefähr dreitausend Pfälzer aus der bayrischen Armee.“

Die beiden Festungen Landau und Germersheim blieben in den Händen der Reaktion und wurden von dem Freikorps Willich belagert. Willich „hielt mit einem Korps von ein paar hundert Mann die Garnisonen von Landau und Germersheim  , zusammen über 4000 Mann, in Schach, schnitt ihnen die Zufuhren ab und molestierte sie auf jede mögliche Weise…

Hätten ihm damals nur einige Haubitzen zu Gebote gestanden, und wären es nur Feldgeschütze gewesen, so war nach den Berichten der täglich nach Landau aus- und eingehenden Spione die Festung bei ihrer demoralisierten, schwachen Garnison und ihrer rebellischen Einwohnerschaft in wenig Tagen genommen“. Die preußischen Truppen rückten jedoch in Stärke von 30000 in die Pfalz ein und entsetzten die Festung.  ( nach Friedrich Engels : Die deutsche Reichsverfassungskampagne , 1850)

Unser Lied wurde nach 1890 in Baden aufgezeichnet. Im Bewußtsein der Badner bei denen der heldenhafte Kampf der Garnison von Rastatt und anderer badischer Truppen gegen die preußischen Truppen in lebendiger Erinnerung lebte und die auch von dem Kampf der Rheinpfälzer gegen die gleichen Truppen wußten, wurde das alte antipreußische Lied mit den 1849er Kämpfen assoziiert, entsprachen doch seine Schlußverse und „und jaget die Preußen zum Lande hinaus“ der bei allen Demokraten verbreiteten Stimmung.

Vergleiche z. B. das Lied und den Bericht bei Glock ( Badischer Liederhort 1910, S. 137 und 269) über die feindliche Aufnahme, die die Preußen 1866 bei ihrem Einzug in Mannheim durch die Demokraten fanden. Für das historische Gedächtnis des Volkes und für das historische Volkslied ist nicht die Genauigkeit im historischen Detail, besonders in Namen, wichtig, sondern die allgemeine Tendenz und die Parteinahme, die in ihm zum Ausdruck kommt. ( Steinitz II , 1962)

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Liederthema: Freiheitslieder
Liederzeit: (1849)
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