Wlasta (Valaska) . Ende des Matriarchats in Böhmen


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Unter Libussa’s Frauenzimmern aber war eine Jungfrau, mit Namen Wlasta (etliche nennen sie Valaska). Dieselbe hatte einen hohen Geist, war eine rechte Mannin und konnte dazu wahrsagen. Derselben hatte Libussa ihre anderen Frauenzimmer auf ihrem Todbette, samt dem Schlosse Libus, befohlen. Als sie aber das Schloß in ihre Verwahrung genommen, dachte sie höher zu steigen und mehr Gewalt zu überkommen. Derowegen richtete sie, an einem gewissen Tage, ein herrliches Bankett auf dem Schlosse an und lud zu ihr etliche Jungfrauen, so ihres Gleichen und recht streitbare Heldinnen waren.

Als sie aber Mahlzeit gehalten und allein waren, redete sie die Jungfrauen an und sprach: es wäre ihr Leid, daß es nun mit ihr und ihnen allen dahin kommen, daß sie nicht mehr das Regiment über die Männer haben und nach der Libussa Tod von den Männern gar unterdrückt sollten werden, gleichsam als wäre mit Libussa alle Mannheit und Tugend der Weiber zugleich untergegangen, so sie doch unter ihnen etliche Weiber sähe, welche die Libussa an Mannheit weit überträfen. Auch sie selber wolle der Libussa nicht gerne etwas zuvor geben.

So nun die einige Libussa so viel können zuwege bringen, wie viel mehr sollte dies nicht können erhalten werden, wenn sie allzumal ein heimliches Fürnehmen wider die Männer machten. So dürften sie sich auch gar nicht vor dem bäurischen Fürsten fürchten; denn er käme vom Dorfe und wendete alle seine Gedanken allein auf den Ackerbau. Sie sollten ihr allein, mit gegebener Hand, Treue zusagen, daß sie die Sachen im Geheim wollten halten, so wollte sie ihnen wohl gut dafür sein, daß sie in kurzem das Regiment über die Männer wieder überkommen würden.

Sie gaben ihr alle die Hände darauf, tranken von einem Gemisch, welches ihnen Wlasta zugerichtet, davon sie den Männern sollten Feind werden und blieben alsbald ihrer viele da und übten sich in allerlei Kriegesrüstungen zu Roß und zu Fuß.

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Liederthema: Allgemein
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