Wlasta (Valaska) . Ende des Matriarchats in Böhmen


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Wlasta hatte ihre heimlichen Kundschafter bei des Fürsten Hofe und als sie vernommen, wie Stiradius so übel gegen sie gesinnet, trachtete sie auf Mittel und Wege, wie sie ihn mit Gewalt oder List möchte um’s Leben bringen. Deswegen band sie in dem nächsten Walde, durch den Stiradius reisen sollte, eine schöne Jungfrau, mit Namen Sarka, mit Händen und Füßen an einen Baum, setzte neben sie ein Näpfel mit Meth, hing neben sie ein Jägerhorn und vermeldete ihr, wie sie sich gegen Stiradius erzeigen sollte. Die anderen Jungfrauen blieben heimlich in dem Hinterhalt.

Als aber Stiradius auf die Jagd zog, oder, wie andere wollen, zu Vergleichung etlicher streitiger Sachen verreiste und in den Wald kam, wie er denn daselbst oft vorüber zu reisen pflegte, hub Sarka mit halber Stimme an zu klagen und zu winseln, schrie und bat um Hülfe und Rettung. Der Diener einer ritt aus der Straße, zu besehen, was es für eine Gelegenheit, kam wieder und vermeldete, wie daß eine schöne Jungfrau allda an einen Baum gebunden wäre.

Darum ritt Stiradius selbst hin und als er sah, wie die Jungfrau angebunden, fragete er: wer sie angebunden hätte und was die Ursache wäre? Darauf antwortete Sarka mit weinenden Augen: wie Wlasta und ihr Anhang diesen Frevel begangen; denn, weil sie nicht in ihre Tyrannei und böse Taten verwilligen, so sie an den Männern begangen, und sich heimlich von ihr entbrechen wollen, wäre sie über ihrem Vornehmen verraten worden und deshalb hätte sie Wlasta an diesen Baum gebunden und sie mit Pfeilen zu Tode schießen wollen.

Aber als schon ihrer etliche ihre Bogen gespannt und auf sie gezielet, hätten sie das Jauchzen und Bellen seiner Hunde, auch das Getümmel und Gewieher seiner Rosse gehört, hätten deswegen alsbald die Flucht gegeben und in großer Eile diese Flasche und das Jägerhorn, so an dem Baume hinge, mit sich zu nehmen vergessen. Darum bäte sie ihn ganz fleißig, er wollte sich ihrer erbarmen, sie los machen und ihren Eltern wieder überantworten, oder, da sie das nicht bei ihm erhalten möchte, sollte er sie eher ums Leben bringen, denn an diesem Aste lebendig angebunden lassen. Nach seinem Verreisen würden doch die Jungfrauen kommen, und sie schändlich ums Leben bringen, darum sie lieber vor seinen Augen sterben wollte.

Stiradius ward durch diese Rede und der Jungfrau Wehklagen bewogen, daß er abstieg und die Jungfrau mit seinen Händen los machte. Alsbald fiel Sarka auf die Erde nieder, gleichsam als geriete sie in eine Ohnmacht, tat doch, als ermannete sie sich wiederum, forderte die Flasche, als wollte sie sich durch den Meth ein wenig erquicken, und tat, als wenn sie solchen dem Stiradius zutränke, der mit sonderem Fleiße vergiftet und bezaubert war. Da aber Stiradius ihr Bescheid tat, blies sie unterdeß das Horn und gab also ein Zeichen von ihr.

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Liederthema: Allgemein

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