Wlasta (Valaska) . Ende des Matriarchats in Böhmen


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Alsbald fiel Wlasta mit den andern Jungfrauen aus dem heimlichen Hinterhalt herfür, brachten einen Teil der Gefährten des Stiradius um, den andern Teil aber schlugen sie in die Flucht. Hernach überfielen sie Stiradius, der, durch den vergifteten und bezauberten Trank, beider, seiner Sinne und seiner Leibeskräfte, ganz und gar beraubt war, nahmen ihn gefangen, banden ihn mit Ketten, räderten ihn und setzten ihn vor das Schloß Wischerad, indem der Fürst heraus sah, damit ihm solches desto mehr sollte zu Herzen gehen.

Der Wald, in welchem Stiradius gefangen, wird noch heute von dieser Jungfrau Sarka genannt. Man sagt, da Stiradius gefangen genommen worden, daß man in dem ganzen Walde ein großes Gelächter gehört habe, sonder Zweifel, daß die bösen Geister dieses Spiels und dieser Mißhandlung sich gefreut haben.

Als die Weiber solcher Weise das Regiment überkamen, nahmen sie ihnen Männer, und nachdem sie mit denselben Kinder erhalten, machten sie ein Gesetz, daß man allen Knaben an der rechten Hand sollte die Daumen abhauen und ihnen das rechte Auge ausgraben, auf daß, wenn sie zu ihrem männlichen Alter kämen, sie sich mit dem Schwerte nicht wohl wehren, auch nicht aus dem Bogen schießen könnten. Solches trieben sie eine gute Zeit und ward das Böhmerland sieben Jahr mit diesem Unfall geplaget.

Endlich ward, aus Anregung und Bedräuung des Volks, und daß es nun die rechte Zeit war, Primislaus bewogen, daß er auf Mittel trachtete, wie Wlasta mit gleicher Münze bezahlet und ihr solche Übeltat möchte vergolten werden. Er vermahnete das Volk, es sollte noch wenige Tage Geduld haben. Mittlerweile fertigte er eine Botschaft an Wlasta ab und ließ auf ein sicher Geleite Milada, die um alle Anschläge der Wlasta wußte, zu sich fordern.

Durch dieselbe zeigte er der Wlasta an, wie daß, ohne seinen Willen und Geheiß, die Vornehmsten des Landes sie gedächten zu bekriegen, wie er auch ein sonderlich Wohlgefallen an der vorigen Männer Untergang habe; er hätte sie auch so lieb, als seine eigene Tochter, und gönnete ihr vor allen andern das Fürstentum, weil sie seiner Gemahlin Dienerin gewesen. So wäre er auch in diesem Alter zum Regiment fast ungeschickt und möchte seinem unmündigen Sohne dasselbe nicht vertraut werden, deswegen hätte er sich einen Ort auf seinem Gute, da er zuvor gewesen, ausgesehen, wo er in guter Ruhe und in Frieden sein Leben zubringen wollte.

So hätte er nun bei sich beschlossen, daß er das Schloß Wischerad, welches der Hauptsitz in Böhmen wäre, aus freiem Willen der Wlasta übergeben wolle, Zweifels ohne, Wlasta würde solcher Wohltat eingedenk sein, ihn, als einen alten Mann, mit seinem Sohne vor aller Gewalt und Unrecht schützen und dem Sohne ein Stück Landes einräumen, welches sie wollte.

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