Wlasta (Valaska) . Ende des Matriarchats in Böhmen


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Derowegen wurde von allen Jungfrauen einhellig beschlossen: man sollte über die Muldau setzen und in die nächsten Scheunen des Fürsten und in sein Vieh einen Einfall tun. Das Getreide ward fast vor des Fürsten Augen mit Gewalt aus den Scheunen genommen, das Vieh wurde von dem Felde weggetrieben und durfte sich der Fürst dawider nicht legen, oder aber auch er wollte, aus besonderem Vorsatz, der Gewalt der Jungfrauen keinen Widerstand tun, weil ihm das Glück noch zur Zeit nicht beistand.

Deshalb unterstand sich Wlasta desto mehr des Fürsten Freunden zuzusetzen, verwüstete ihre Aecker, trieb das Vieh hinweg, brachte die Bauersleute unter ihre Dienstbarkeit und verwunderte gleich sich selbst darüber, daß ihr niemand einigen Widerstand thät.

Nun waren allein etliche beherzte Jünglinge übrig, welche bisweilen den letzten Haufen der Jungfrauen angriffen und denselben trennten. Diesen stellten Wlasta auf solche Weise heimlich nach: sie befahl, daß man ein Schreiben im Namen der allerschönsten Jungfrauen, so bei ihr waren, an die jungen Gesellen sollte machen, in welchem der Wlasta großer Stolz und Uebermuth vermeldet und angezogen würde, deswegen die Jungfrauen das Vorhaben hätten, sich von ihr heimlich zu wenden und sich hernach zu verehelichen. Sie gaben auch vor, als stünde ihnen allein die einige Wlasta im Wege, dieselbe aber könnte leichtlich gefangen genommen oder umgebracht werden, so etliche der jungen Gesellen sich rüsteten und zu bestimmter Zeit des Nachts vor das Schloß rückten, da ihnen dann dasselbe, sammt den Frauen, sollte übergeben werden.

Als die Jünglinge solch Schreiben verlesen und durch die Liebe gegen die Jungfrauen bethört waren, kamen ihrer viele auf die bestimmte Nacht zusammen und wurden unverletzt bis in den Vorhof des Schlosses eingelassen. Als sie aber weiter hinein drangen, wurden ihrer etliche die Brücken hinunter geworfen, ihrer etliche hinter dem Vorhofe umgebracht und alle also getötet, und konnte sich doch keiner, wegen der finstern Nacht, rächen.

Als es Tag wurde, ward diese Zeitung zuerst vor den Stiradius, einen aus den Vornehmsten in Böhmen, der bei dem Fürsten in großem Ansehen und Gnaden war, gebracht, darüber er sich denn zum heftigsten entsetzte, eilends zum Fürsten in das Zimmer lief und ihn mit Wehmut anredete: was er doch noch in die Länge verziehen wollte, daß er sich nicht den erbärmlichen Mord der Männer und das Blutbad so vieler Jünglinge wollte bewegen lassen.

Er sollte doch bedenken, an welchem Orte, an welcher Stelle er wäre, was er für ein Amt auf sich hätte; nicht, daß er allda sitzen und wahrsagen sollte, sondern daß er ihnen mit Rat und Tat sollte zu Hülfe kommen und solche schreckliche, begangene Missetat strafen. Wofern er solches jetzt nicht täte und ließe sich vergeblich aufmahnen, sollte er wissen, daß er von denjenigen, die er jetzt verließe, wiederum sollte verlassen werden.

Als Stiradius solches gesagt, wollte er hinweg gehen. Der Fürst aber hielt und bat ihn, daß er sich doch nicht selbst ein Unglück wollte bereiten und dem Glücke widerstreben, sondern sollte vielmehr warten, bis dasselbe wiederum bei ihnen stehen würde. Er aber bat den Fürsten wiederum, daß er das Wahrsagen unterlassen, sein selbst eigen Heil und der Seinen Wohlfahrt in Acht nehmen wollte.

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