Wlasta (Valaska) . Ende des Matriarchats in Böhmen


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Unterdeß kam dem Primislaus im Schlafe eine Jungfrau vor, welche eine Trinkschale trug, und dem Primislaus daraus wollte zu trinken geben. Als er dieselbe nicht nehmen wollte, sah er, wie die Jungfrau aus derselben Schale Blut auf die Erde goß und den Männern groß Unglück zauberte. Vor solchem Traume erschrack Primislaus, berief die Fürnehmsten des Landes zu sich, erinnerte sie, daß sie ihrer selbst sollten wahrnehmen und dem weiblichen Geschlechte nicht so viel einräumen; denn es würde ihnen von den Jungfrauen ein großes Unglück zustehen, da dieselben sich in allen ritterlichen Wehren, mit Turnieren, Rennen, Stechen, Brechen, Schießen, Jagen und anderen Sachen mehr übten.

Die Landherren aber verlachten den Fürsten, etliche schalten auf ihn, etliche billigten der Jungfrauen Fürnehmen, daß sie sich also mannlich hielten. Als Wlasta solches vernahm, unterstund sie sich von Tag zu Tag größerer und gräulicherer Händel. Bald tat sie einen Einfall auf dem Felde unter das Vieh, bald beraubte sie die Wandersleute, bald die Felder und sendete den Raub auf das Schloß. Solches nahmen die Männer nicht in Acht, ließen es also hingehen, bis ihnen endlich großer Unfall daraus entstand.

Denn Wlasta hatte wiederum ein herrliches Mahl auf dem Schlosse zugerichtet, und nicht allein Jungfrauen, sondern auch Eheweiber, welche so gar wohl mit ihren Männern nicht standen, dazu eingeladen. Als sie nun satt gegessen und getrunken, fragete die Wlasta die Beweibten, ob sie lieber frei, oder der Gewalt ihrer Männer unterworfen sein wollten? Da sie aber die Freiheit der Dienstbarkeit vorzogen, hetzte sie dieselben wider ihre Männer an, und als sie nun vermerkte, daß dieselben auf ihre Männer erbittert, offenbarte sie ihren Anschlag und stellte ihnen allen eine Nacht an, in welcher sie ihre Männer, Väter, Brüder und Söhne alle im Schlosse umbringen und hernach alsbald in ihrer Rüstung und mit ihren Rossen auf einen Ort, den sie ihnen nicht weit von Prag ernennete, zusammen kommen sollten.

Die Weiber verbrachten diese schändliche Tat an ihren Männern, wie ihnen befohlen war, kamen in ihrer Rüstung auf das Feld, und nachdem sie das Kriegsheer der Männer, so ihnen nachsetzte, erlegt, belagerten sie den Fürsten auf dem Schlosse Wischerad, mochten aber dasselbe nicht erobern.

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