Jetzt schlafen wir den langen Schlaf (Die toten Knappen sprechen)


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Jetzt schlafen wir den langen Schlaf
Der Herrgott wird uns wecken
Und wird all unser Erdenleid
Mit seiner Lieb`bedecken.-
Wir fuhren aus dem tiefen Schacht
Ein in des Todes lichte Nacht
Still, ohne Schrei und Schrecken.

Wir sind wohl wie ein Haufen, der
Beherzt am Feind geblieben.
Nun sorgt für unsre Lieben!
Wir haben unser Leben lang
Mit Stöhnen, Fluchen und Gesang
Die Stollen vorgetrieben.

Und wie dem Bauern seine Flur
Dem Schäfer seine Weide,
Dem Jägersmann sein Jagdrevier,
Dem Imker seine Heide;
So lieb war uns der tiefe Schacht
Und seiner Kohle dunkle Pracht.
…. Und tat uns dies zuleide!

Der Knappen Leben still verrinnt
Wie Quellenlauf im Sande.
Wir sorgen treu für Weib und Kind,
Wir dienten treu dem Lande.
Wir hämmerten in langer Reih
Und schafften mit die Heimat frei
Von fremder Last und Schande.

Ein neues Volk befährt den Schacht
In sonnenhellen Haaren
Mit frohem Herzen, frischem Mut
Kühn trotzend den Gefahren.
Doch klopft der Kobold tief im Schacht
Dann, junger Knappe, habe acht!
Dann kommt das letzte Fahren.

Text: Heinrich Haslinde (Die Toten Knappen Sprechen) – über ein Grubenunglück
Heinrich Haslinde (1878 in Castrop – 1938 in Castrop-Rauxel) war Heimatdichter aus dem Ruhrgebiet, dessen Gedichte vor allem in den lokalen Zeitungen erschienen. (Quelle)


Liederthema: Bergmannslieder
(1930)
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