Bremer Stadtmusikanten

Höret zu Ihr deutsche Brüder (Auswanderung Brasilien)

Höret zu Ihr deutsche Brüder
Was In Bremen Ist geschehn
Hier von unsern Landeskinder
Die nach Brasilien wollen gehn
Sie verließen hier ihr Vaterland.
Und dachten nach Brasilien
Aber welche.Buße sie dort fanden
War nicht auszugründen

Als wir nun zu Bremen kamen
Hörten wir das Klagen schon
Greise. Väter. Weib und Kinder
Schrien hier, hilf Gott und Sohn
Lass uns hier doch nicht verderben
Hilf uns hier aus dieser Noth
Und schenk uns das ewige Leben
Gieb uns und den Kinder Brot

Den 16. März um halb zwölf
Ward die Reis uns angesagt
Dem´s an 120 Gulden fehlt
Der wird hier als Sklav betracht
Nun ging hier das Elend an
Wer nun konnt das Elend erlegen
Der war ein geholfner Mann
Den aber thats an Kostgeld fehlen

Höret nunihr deutschen Brüder
Folget unsernSpuren nicht
Wie wohl sehn wir uns nicht wieder
D och wünschen wir euch die Reise nicht
O  was täten wir drum geben
Wären wir noch einmal da
im kleinsten Hüttchen wollt ich leben
Verzeihen dem der mir Leides tat

Als wir weit im Meere kamen
Schauten wir fremden Schiffe an
Wie wir nun an Ihren nahten
Hörten wir das Klagen schon
Es waren lauter Landeskinder
Die niemals kein Kummer drückte
Jetzt als wie die größte Sünder
Die an Ketten sind geschmied

Hier waren wir nun mehrere Tage
Und sahen unser Elend an
Ja sogar Verwandten sagten
Uebrig bleibt hier keinenMann
Ganz ermatt,  erblasst, verhungert
Lagen Kinder. Weib und Mann
Von großer Hitze,  Durst und Hunger
Seekrankheit holt den letzten Mann

Diese Reise Gott solls wissen
Büßen viele Menschen ein
Die Haus, Hof und Land verließen
Ich büße Weib und 10 Kinder ein
O ihr Leute tuts bedenken
Vertauscht nicht euer gutes Land
Und wollen sie euch goldne Berge schenken
Bleibt nur in eurem V aterland

Drum ihr Leute lasst euch sagen
Reisen ist für junge Leut
Die´s auf Professionen wagen
Sind geschickt kommen durch die Welt
Aber so von unsers Gleichen
Die schon große Familien haben
Machen dem Teufel sich zur Beute
Kein guter Geist that´s uns sagen

Nun wurden wir nach der Stadt geführt
Und zeigt uns zum Verkaufe dar
Dann heißt es kommen SkIaven-Schiffe
Ihr Leute kommt und kauft fürwahr
Sind es weiße oder schwarse
Durchsuchen und sortieren uns
sind sie groß und schön gewachsan
hört Leute so verkauft man uns

Kein Hunget hat ich nie gelitten
Hat Frucht,  Genuss für´s ganze Jahr
Dafür hat ich dort gestritten
Weil ich selbst- zu Hause war
Solltet ihr selbst hier meine Briefe
Kriegen noch zur rechten Zeit
Genug will ich davon berichten
Dass ihr doch gewarnet seid

Jetzt lob Ich mein Vaterland
Schwerlich werd ich´s mehr betreten
Da lebt doch kein Mensch zur Schand
Auch droht man mit keinen Ketten
Denn dort ist die Obrigkeit
Dabei kann man sich beklagen
Hat man Feinde hat man Streit
Lässt man sie dazu einladen

Und dann wird es ausgemittelt
Welcher Recht noch Unrecht hat
Aber hier führt man kein Titel
Aus uns wird hier nichts gemacht
Doch bei euch das kleinste Hüttchen
Ist es auch von Torf erbaut
Man.fürcht dort wohl ein Gewitter
Aber doch kein Menschenraub

Text: Verfasser anonym – kurz nach 1820 ? ( Gerson Roberto Neumann vermutet Georg Bärsch als Verfasser des Textes , seine Argumentation ist hier nachzulesen ). Eine kürzere Fassung des gleichen Textes mit Bezug auf Amerika fand sich im Deutschen Volksliederarchiv , und wurde 1858 in Hessen Darmstadt übermittelt
Musik: keine Angaben –

In der Bibliothek des Koblenzer Landeshauptarchivs von Gerson Roberto Neumann gefunden. Es werden kein Autor, kein Jahr und keine weiteren Referenzen angegeben. Das Gedicht wurde, zusammen mit anderen älteren Texten, in Buchform, in Druckschrift gefunden – hier wiedergegeben nach:
G. R. Neumann : “Traurige Rückwanderung der Brasilianer nach ihrem jüngst verlassenen Vaterlande” – Ein Gedicht zum Thema Auswanderung nach Brasilien  , Die Brasilienauswanderung in den Gedichten .

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Liederthema: Auswandererlieder
Liederzeit: (1820)
Schlagwort: | |
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