Gut Hensel über die Heide reit

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Gut Hensel über die Heide reit

Gut Hensel über die Heide reit
er schoß nach einer Tauben
da strauchelt ihm sein apfelgrau Roß
wohl über ein Fenchelstauden

Strauchel nit, strauchel nit, mein apfelgraus Roß!
Ich will dich wohl belohnen
Du sollst mich über die Heiden tragn
Zu Elsichen meinem Bulen, ja Bulen!

Und als er über die Heiden kam
Da begegnet ihm sein Bule
Kehr wieder, kehr wieder, mein schönes Lieb!
Der Wind der weht so kühle, ja kühle

Und dass der Wind so kühle weht
Hat mich doch nit gefroren
Verloren Hab ich mein Rautenkranz
Den will ich wiederum holen

Hast du’s verloren dein Rautenkranz
Das laß dich nit gereuen
Bis Montag kommt der Krämer ins Land
Kauf dir, schöns Lieb, ein neuen

Auf den Montag, da der Krämer kam
Er bracht nicht mehr denn alte
Nun setz, fchöns Lieb, dein Schleierlein auf
Und laß den lieben Gott walten, ja walten

Der uns dies neu Lied erstmals sang
Er hats gar wohl gesungen
Er hat’s den Mägdlein auf der Lauten geschlagn
Die Saiten sind ihm zersprungen, ja sprungen

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 436a „Verlorener Rosenkranz bzw. Rautenkranz“)
auch als „Traut Hänsichen“ oder „Gut Henika“

Liederthema:
Liederzeit: (1550)

Zweite Melodie zu "Gut Hensel über die Heide reit"

Zweite Melodie zu Gut Hensel über die Heide reit
Ältere Melodie bei Forster (1540)

Anmerkungen zu "Gut Hensel über die Heide reit"

Abweichungen: 1582:

  • 1, 1 Traut Hänslein über die Heiden reit.
  • 2, 1 Und strauchel nit, m. gr. Roß.
  • 2, 4 zu Elselein.
  • 3, 1 auf die Heiden kam,
  • 4, 3 Rosenkranz (statt Rautenkranz).
  • 5, 1 Rosenkranz.
  • 5, 2 wiltu wiederumb holen (fehlt der Reim!)
  • 6, 1 Am Montag.
  • 6, 3 Setz, schönes Lieb, ein Schleier auf.

Auf dem fliegenden Blatt zwischen 6 und 7 noch folgende Strophe: Ach soll ich aufsetzen ein Schleierlein weiß , das muß sich Gott erbarmen ! Hab ich doch nur ein halbe Nacht geschlafen in Liebes Arme, ja Arme.

Das Lied gibt ‚ein Bild gebrochener Treue und verlorner Ehre. Des Pferdes Straucheln war ein übles Vorzeichen, dass der Ausreitende etwas Unangenehmes erfährt. Was? Sein Mädchen steht vor ihm und klagt: das Geschehene ist enthüllt. Die zersprungenen Saiten (Str. 7) entsprechen dem Mißlaute des zerrissenen Liebesglückes. Der Schluß bringt keine Zusage der Ehe, nur bitterer Hohn (St. 5) trifft noch das gekränkte Herz. —

Im 16. und 17. Jahrhundert war das Lied beliebt, wie die Quellen uns sagen. Im ,Alamodisch technologisches Interim“ (Rappersweil 1675, S. 143 sagt einer: er sei nicht so alt, er könne noch „den alten Hiidebrand“ und „Gut Henchen über die Heide ausreit“ singen und nach dem Tannenbaum eine Galgenarth (Gagliarde) springen.“ — Bis zur Gegenwart ist das Lied im Kuhland und Schlesien erhalten.

"Gut Hensel über die Heide reit" in diesen Liederbüchern

Fl. Bl. 8, 4 Bll. o. O. u. J. (Mitte des 16. Jahrhunderts) in der v. Meusebach’schen Sammlung, Berliner Bibl. „Zwey schöne Newe Lieder, Das Erste, Von dem Edlen Lindenschmidt. Das Ander, Traut Hensichen über die Heyde reit :c. — b) Ein jüngerer Text im Frankf. Liederb. 1582. Nr. 103 desgl. im Lieder-Büchlin 1582, Nr. 43, <(daher Uhland 114; Lil. 115; Tittmann S. 88) weicht nur in wenigen Worten ab.  c) Handschrift um 1574 (Ms. germ. 4° und 716 K. Bibl, Berlin. Wieder abweichend und mit niederdeutschen Worten gemischt.

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