Es zeigt die Träne in des Menschen Auge (Lob der Träne)

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Es zeigt die Träne in des Menschen Auge
Uns treu den Spiegel seines Innern an
Sie gibt den Ton aus jedes Menschen Munde
In klarer Harmonie der Seele an
Oft zeigt sie sich im Schmerz, oft in der Freude
Schon bei den Kindern kann man’s deutlich sehn
Wie mancher Mann weint eine bittre Träne
Muß er zum Kampfe von den Seinen gehn

Es steht die Braut vor Gottes Traualtare
Weint eine Träne mit dem Bräutigam
Der Jüngling, wenn er von der Heimat scheidet
Weint eine Träne, eh er gehen kann
Und kehrt er einst zum Vaterhause wieder
Mit seinem Wanderstabe in der Hand
So füllt sein Auge sich mit Freudentränen
Und weinend grüßet er sein Vaterland

Oft weint der Mann im Kummer eine Träne
Wenn er das Brot für seine Kinder schafft
Die Mutter blickt mit Tränen auf zum Himmel
Und spricht: Herrgott, verleih uns Mut und Kraft
Und steht der Greis mit seinem Pilgerstabe
Am Ziele, muß er von den Seinen gehn
So fällt vom Aug ihm still noch eine Träne
Er spricht: »Lebt wohl, lebt wohl, auf Wiedersehn.«

So ist das ganze Leben eine Träne,
Von Gott gelegt ins Menschenherz hinein.
Wer sie nicht kennt, kann niemals hier auf Erden
Wenn er auch noch so reich ist, glücklich sein
Sie zeigt uns schon das Paradies hienieden,
Nimmt manche Lebenssorge von uns ab
Drum wollen wir der Träne Lob besingen
Bis unsre letzte fällt vom Aug’ herab

Als fliegendes Blatt Nr. 353 bei Trowitzsch & Sohn in Frankfurt/Oder erschienen. W. Drechsler vertonte es als Salonlied (op. 11), und mit dieser Melodie wurde es der Schlußgesang vieler Moritaten. Zum Beispiel: »Sechsfacher Mord und Selbstmord, geschehen in Karlsberg« (Verlag Joseph Merten, Trier), »Die von der Liebe verblendete Rabenmutter« (Verlag Emil Koch, Stargard in Pommern), »Traurige Erlebnisse in Amerika«, »Bernhard Ring, der schreckliche Familienmörder«, »Die wunderbare Rettung eines sechsjährigen Knaben im Hochgebirge der Pyrenäen« (alle im Verlag Reiche, Schwiebus) – mit Anmerkungen in “Traurig aber wahr”, 1931

Liederthema:
Liederzeit: (1830)