Es ritt ein Herr und auch sein Knecht (Schlesien)

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Es ritt ein Herr und auch sein Knecht
den schmalen Steg den breiten Weg
den schmalen Steg den breiten Weg

Und wie sie auf die Heid naus kam´n
da stand ein schöner Sadelbaum

Darauf saß eine Turteltaub
die Taub war ihres Gleichen werth

Ei Knecht ich nehm das Roß beim Zaum
steig du auf diesen Sadelbaum

Ach nein mein Herr das thu ich nicht
die Aeste sind dürr sie halten nicht

Ei Knecht nimm du mein Roß beim Zaum
ich steig hinauf den Sadelbaum

Und wie er auf die Mitte kam
der Baum der fing zu brechen an

Er fiel herunter auf einen Stein
schlug ihm das Herz im Leib entzwei

O weh o weh mein Herr ist tot
so bleib ich Armer unbelohnt

Ei Knecht nimm du mein graues Roß
und reit zu meiner Frauen ins Schloß

Ach nein mein Herr das thu ich nicht
die Frau ist edel sie begehrt mein nich

Ei Knecht nimm du mein silbern Schwert
es ist schon deines Lohnes werth

Ach nein mein Herr das nehm ich nicht
das Schwert ist silbern es gehört mir nicht

Ei Knecht nimm du mein goldne Peitsch
und peitsch die Hündlein um die Bein

Ach nein mein Herr das thu ich nicht
die Hündlein sind bös sie leidens nicht

Ei Knecht zieh an das Hemdlein weiß
und zeuch mit mir ins Paradeis

Ach ja mein Herr das thu ich schon
das will ich habn zu meinem Lohn

Der Knecht zog an das Hemdlein weiß
zog mit dem Herrn ins Paradeis

Anderer Schluss am Niederrhein:

In meiner Köchen da steht ein Weib
Die laß o Knecht dein Herzlieb sein
Ach lieber Herr der Lohn ist gut
Gott geb euch den Himmel so haben wir genug

So endet auch der holländische Text (Horae Belgicae 2, 173)
Kossen en vigeu begeer niet
Annr cks vgsts ckoekter en veriveer ik viet
Nu is de Knecht geworden een Herr
hi rijdt met Koets en paarden weer

Text und Musik: Verfasser unbekannt – Version von “Herr und Schildknecht

in Deutsche Volkslieder mit ihren Original-Singweisen (1840, vom Niederrhein) — Schlesische Volkslieder (1841, Kapsdorf , Nähe Breslau, Schlesien ) — Deutscher Liederhort (1856, Hainau, Schlesien) —

Von diesem Lied gibt es eine Version aus Westfalen, die als Grundlage für einen Arbeitsgesang bei der Flachsernte diente – vergleiche auch die Version von 1547, in der der Knecht seinen Herrn tötet.

Der Sadelbaum (eine Art des Wachholders, der in Italien, Portugal und dem Morgenlande einheimisch ist; Juniperus Sabina L. Die Blätter haben einen starken widrigen Geruch und scharfen Geschmack. Der Nahme wird nicht nur in den gemeinen Sprecharten, sondern auch von den Schriftstellern gar sehr verderbt. Bald lautet er Sebenbaum, Sevenbaum, Siebenbaum, bald Sadebaum, Sadelbaum, Sadel, Sathebaum, bald gar Sagebaum und Segelbaum. Allein da alle diese Nahmen aus dem Lateinischen Sabina, Arbor Sabina, verderbt sind, so kann die wahre Schreib- und Sprechart nicht mehr zweifelhaft seyn. Im Englischen heißt dieser Baum Savin, im Französischen Sabine, Savinier. (in Adelung – Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart , 1235-1236)

Liederthema:
(1841)

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