Ein Maidlein zu dem Brunnen ging

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Ein Maidlein zu dem Brunnen ging

Ein Maidlein zu dem Brunnen ging
und das war säuberlichen
Begegnet ihm ein Jüngeling
er grüßt sie züchtiglichen
Sie setzt ihr Krüglein neben sich
und fragt ihn: wer er wäre
Er küßts auf ihren roten Mund
Ihr seid mir nit unmäre
tret here, tret here

Das Maidlem trägt Pantöffel an
Darin tuts einher schnappen
Wer ihm nicht recht zusprechen kann
Dem schneidt es bald ein Kappen
Kein Tuch daran wird nicht gespart
Kann eim gar höflich zwagen
Sagt sie: woll nimmer umser sein
Sie Hab ein andern Knaben
Laß traben, laß traben

Fahr hin, fahr hin, mein Maidlein fein
Weil du hie nit wilt beiten!
Es sind hier noch mehr Druselein
Gen Rom dörf wir nit reiten
Wir han noch Maidlein dir geleich
Alls Glück tu dich bewahren!
Wer weiß, wen es zum ersten reut
Dein Spottwort tue nit sparen!
Laß fahren, laß fahren!

Text und Melodie: Verfasser unbekannt
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 437)

Liederthema:
Liederzeit: (1534)

Anmerkungen zu "Ein Maidlein zu dem Brunnen ging"

Das Lied im Liederhort II  nach J. Ott, 1534. Nr. 59. Forster II, 1540, Nr. 52, ohne 2. Strophe und mit folgenden Varianten:

  • 1, 1 Meidlein.
  • 1, 3 stolzer knab.
  • 1, 4 herzlichen.

Auf einem fliegenden Blatt Nürnberg 1530 (s. folgende Nr.) hat das Lied 6 Strophen und den Anfang: „Das Maydlein zu dem prunnen ging, das was sauberleiche; begegnet ir ein Jüngeling, er grüst sie tugendleicke …“ — Orlando Lasso II, 1573 mit 2 Strophen und selbstgemachter Melodie. — Der Tonsatz bei Ott und Forster ist von L. Senfl. Abdruck bei Liliencron, Leben Nr. 108. — Im Wunderhorn I, 156 (a. A. 162), Anfang nach Forster, aber übel zugerichtet. „Schöne Anlage, hier fragmentarisch, ungenießbar.“ Goethe.

Worterklärung:

  • 1, 8 unmäre, unlieb, gleichgültig.
  • 2,4 Sie schneidet ihm eine Narrenkappe, sie veralbert ihn.
  • 2, 6 sie kann einem den Kopf gehörig waschen.
  • 3, 2 beiten, warten.
  • 3, 3 Druselein, Trusel, mhd. Trutschel, kokette Gebärde, verächtlich für das spröde tuende Mädchen; vielleicht auch so viel wie Druschel, Benennung für eine dickbackige Person. —

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