Seid ihr des Fischers Töchterlein

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Seid ihr des Fischers Töchterlein

Seid ihr des Fischers Töchterlein
Dort nieden an dem See, ei ja See?
So sollt ihr mir verheißen
Mich nehmen zu der Eh
Eh noch der Herbst vergeh, ei ja geh.

Ach gut Gesell, ich kenn euch nit
Weiß auch nit, wer ihr seid
Ja solls mein Mutter inne wern
So würd sie mir die Haut zerbern
Gut Gsell, ich laß mir wehrn

Jungfrau, ich bin ein Zimmermann,
Geboren aus der Stadt
Ihr sollt zuvor die Mutter fragn
Und mir ein Antwort wieder sagn
So bleibt ihr ungeschlagn

Ihr gfallt mir aus der Maßen wohl
Ziecht ihr mit mir darvon
Legt eure beste Kleider an
Sprecht: ihr wollt zum Tanze gahn
Und ziecht mit mir darvon

Das Maidlein sprach: „Ich täts wohl gern
Und schlags nit geren ab
Ich will zuvor mein Mutter fragn
Rät sie mirs, so will ichs wagn
So bleib ich ungeschlagn.“

Und da sie nun die Mutter fragt
Erhub sich große Not
Die Mutter zuckt ein Zuberstang
Und macht der Tochter d ‚ Weil sehr lang
Daß sie auf Böhmisch sang

Der gut Gsell stund neben der Wand
Die Sach gfiel ihm nit wohl
Sprach: , Maidlein, thu ein Sprung heraus
Ich helf dir von der Mutter Strauß
Laß du die Alt‘ im Haus

Alsbald das Maidlein die Red vernahm
Sie sprang dem Knaben zu
Er nahms bei ihr schneeweißen Hand.
Er führts mit ihm ins Ungerland:
Du hast dessen kein Schand

Und da sie in das Ungerland kam
Erhub sich große Not
Da schlugs derselbig Zimmermann
von ihm, und wollt sie nimmer hau:
zeuch hin, so Hast dein Lohn

Ach weh mir armes Maidelein
Wär ich wieder daheim
Ach wär ich in meiner Mutter Haus,
Kein Zimmermann brächt mich mehr draus
Wollt besser halten Haus

Und da das Maidlein Heime kam
Da weinet es gar sehr
Verzehrt waren die Kleider
Verloren war die Ehr
Bekam sie nimmermehr.

Wer ist der uns das Liedlein fang
Von neuem g’sungen hat, ei ja hat?
Das hat getan ein Fischer
Ein junger und ein frischer
Zu Dienst dem Fischermägdelein, ei ja lein.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 487b)

Fliegendes Blatt zu Straubing bei Andre Sommer (c. 1590). Zuerst mitgeteilt im Weimar. Jahrbuch 5, 218. — Der Refrain ist durch Wortwiederholung durchs ganze Lied so auszuführen wie bei Strophe 1 und 12. —

Geschichte dieses Liedes:


Liederthema:
Liederzeit: (1590)

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