Ach Gott Vater durch Jesum Christ

Das sächsische Mägdlein

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Ach Gott Vater durch Jesum Christ
Der du der Waisen Vater bist
Ich bitt dich aus mein’s Herzens Grund
Und schrei zu dir mit meinem Mund

Mein Vaterland bedränget ist
Gefangen hart mit Falsch und List
Dein heiligs Wort wird weggetan
Des Papstes Greul fängt wieder an

Drum knie ich hie und schrei zu dir
Gnädiglich Herr wollst helfen mir
Daß ich mag bleiben bei dei’m Wort
Geschändet nicht noch weggeführt

Kein Schmuck an meinem Leibe sei
Bis Deutschland werde wieder frei
Kein Mann noch Jüngling hie auf Erd
Dem ich freundlich zusprechen werd

Kein Trunk ich nehm von keinem Mann
Weil sie kein Herz im Leibe han
Stets soll mein Angesicht sau’r sehn
Bis daß die Feinde untergehn

Welcher dann hat das Best getan
Der soll mir sein der liebste Mann
Er sei gleich jung er sei gleich alt
Er sei gleich arm und ungestalt

Er ist wahrlich ein treuer Held
Den preisen soll die ganze Welt
Ein Kränzlein schenk ich ihm zum Lohn
Gewunden mit meinen Händen schon

Text: Fliegendes Blatt des 16. Jahrhunderts
Uhland II Nr. 354 – Scherer Volkslieder (1851) – Steinitz I, Einleitung (1954)

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Abweichungen im Text

2.3: Kein Mann, kein Mann in deutschem Land  Der uns schützet vor solcher Schand (Scherer, 1851)

Anmerkungen zu "Ach Gott Vater durch Jesum Christ"

aus: Die Grenzboten: Zeitschrift für politik, literatur und kunst …, Band 4; and 60, 1901

Mit Staunen und mit Grauen sah man die „Kriegsknechte und die bleichen Spitzgesichter der spanischen Offiziere und Geheimräte als Herren im Lande schalten, mit Ingrimm werden die Bauern von Paußnitz und Schirmenitz das Gelände, auf dem Karls Heer vor und nach der Mühlberger Schlacht rastete, als den Spanierberg verflucht haben. Und wie es in den Dörfern jenseits der Elbe herging, in denen Karls Reiter unmittelbar nach der Schlacht rasteten, erkennt man aus dem Berichte des Blumberger Bauern George Dorn an den Amtmann von Großenhain, wo es von den „Hispaniern“ heißt, „daß sie mir alles das Meine am Gute, wiewohl ichs geringe achte, aber das Allerhöchste und Herzlichste, mein liebes Weib und Kinder angebunden, geschlagen und gezwungen zu sagen: Wo ist Geld? wo hastu Kleider, Betten, zinnen Gefäße und all dein Hausrat? das sie mit viel harten Schlägen sagen und alles an zeigen müssen und also alles genommen, Notzucht und viel Wunden, die nicht zu schreiben sein“ oder man lese die Schilderungen des Bartholomäus Sastrow, herausgegeben von Mohnike, der wenig Tage nach der Schlacht über das Gefechtsfeld und von da durch die verödeten Dörfer ins kaiserliche Lager vor Wittenberg ritt und seine Mitteilungen über das Verhalten der Spanier im Stifte Bamberg, und man wird begreifen, wie damals überall im deutschen Lande ein tödlicher Haß gegen die Fremdlinge emporsproßte. „