Da liegen sie die stolzen Fürstentrümmer (Die Fürstengruft)

Gedichte | 2012
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Da liegen sie, die stolzen Fürstentrümmer,
Ehmals die Götzen ihrer Welt!
Da liegen sie, vom fürchterlichen Schimmer
Des blassen Tags erhellt!

Die alten Särge leuchten in der dunklen
Verwesungsgruft, wie faules Holz;
Wie matt die großen Silberschilde funkeln,
Der Fürsten letzter Stolz!


Entsetzen packt den Wandrer hier am Haare,
geußt Schauer über seine Haut,
Wo Eitelkeit, gelehnt an eine Bahre,
Aus hohlen Augen schaut.


Wie fürchterlich ist hier des Nachhalls Stimme,
Ein Zehentritt stört seine Ruh
kein Wetter Gottes spricht mit lautrem Grimme:
O Mensch, wie klein bist du!


Denn ach! hier liegt der edle Fürst, der gute,
Zum Völkersegen einst gesandt,
Wie der, den Gott zur Nationenrute
Im Zorn zusammenband.


An ihren Urnen weinen Marmorgeister,
Doch kalte Thränen nur, von Stein,
Und lachend grub vielleicht ein welscher Meister,
Sie einst dem Marmor ein.


Da liegen Schädel mit verloschnen Blicken,
Die ehmals hoch herabgedroht,
Der Menschheit Schrecken! denn an ihrem Nicken
Hing Leben oder Tod.


Nun ist die Hand herabgefault zum Knochen,
Die oft mit kaltem Federzug
den Weisen, der am Thron zu laut gesprochen
In harte Fesseln schlug.


Zum Todtenbein ist nun die Brust geworden,
Einst eingehüllt in Goldgewand,
Daran ein Stern und ein entweihter Orden
Wie zween Kometen stand.


Vertrocknet und verschrumpft sind die Kanäle,
Drin geiles Blut wie Feuer floß,
Das schäumend Gift der Unschuld in die Seele,
Wie in den Körper goß.


Sprecht Höflinge, mit Ehrfurcht auf der Lippe,
Nun Schmeichelei’n ins taube Ohr!
Beräuchert das durchlauchtige Gerippe
Mit Weihrauch, wie zuvor!


Er steht nicht auf, euch Beifall zuzulächeln,
Und wiehert keine Zoten mehr,
Damit geschminkte Zofen ihn befächeln,
Schamlos und geil, wie er.


Sie liegen nun, den eiser’n Schlaf zu schlafen,
Die Menschengeißeln, unbetraurt!
Im Felsengrab, verächtlicher als Sklaven,
In Kerker eingemaurt.


Sie, die im eh’rnen Busen niemals fühlten
Die Schrecken der Religion
und gottgeschaffne, beßre Menschen hielten
Für Vieh, bestimmt zur Frohn;


Die das Gewissen, jenem mächt’gen Kläger,
Der alle Schulden niederschreibt,
Durch Trommelschlag, durch welsche Trillerschläger
Und Jagdlärm übertäubt;


Die Hunde nur und Pferd‘ und fremde Dirnen
Mit Gnade lohnten, und Genie
Und Weisheit darben ließen; denn das Zürnen
Der Geister schreckte sie; –


Die liegen nun in dieser Schauergrotte,
Mit Staub und Würmern zugedeckt,
So stumm! So ruhmlos! Noch von keinem Gotte
Ins Leben aufgeweckt.


Weckt sie nur nicht mit eurem bangen Aechzen,
Ihr Schaaren, die sie arm gemacht,
Verscheucht die Raben, daß von ihrem Krächzen
Kein Wüthrich hier erwacht!


Hier klatsche nicht des armen Landmanns Peitsche,
Die Nachts das Wild vom Acker scheucht!
An diesem Gitter weile nicht der Deutsche,
Der siech vorüberkeucht!


Hier heule nicht der bleiche Waisenknabe,
Dem ein Tyrann den Vater nahm;
Nie fluche hier der Krüppel an dem Stabe,
Von fremdem Solde lahm!


Damit die Quäler nicht zu früh erwachen;
Seid menschlicher, erweckt sie nicht.
Ha! früh genug wird über ihnen krachen
Der Donner am Gericht,


Wo Todesengel nach Tyrannen greifen,
Wenn sie im Grimm der Richter weckt,
und ihre Gräul zu einem Berge häufen,
Der flammend sie bedeckt.


Ihr aber, bessre Fürsten, schlummert süße
Im Nachtgewölbe dieser Gruft!
Schon wandelt euer Geist im Paradiese,
Gehüllt in Blüthenduft.


Jauchzt nur entgegen jenem großen Tage,
Der aller Fürsten Thaten wiegt;
Wie Sternenklang töne euch des Richters Wage,
Drauf eure Tugend liegt.


Ach, unterm Lispel eurer frohen Brüder –
Ihr habt sie satt und froh gemacht –
Wird eure volle Schale sinken nieder,
Wenn ihr zum Lohn erwacht


Wie wird’s euch sein, wenn ihr vom Sonnenthrone
Des Richters Stimme wandeln hört;
Ihr Brüder, nehmt auf ewig hin die Krone,
Ihr seid zu herrschen wert

Text: Christian Daniel Friedrich Schubart , (1780)
Mehr über die Hintergründe zu diesem Gedicht
in: Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

1780






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