Venedig komm herzu

Übergabe von Straßburg

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Venedig, komm herzu
Straßburg ist hart umgeben
Es geht um Leib und Leben
Will ihme schaffen Ruh?
Augsburg laßt allgemach fallen
Sein fracht und schweiget still
Hört noch kein Stuck nicht knallen
Doch bald verzagen will

Straßburg selbst, renket doch
Tut seine Stuck umkehren
Traut sich kein Stück zu wehren
Geht willig unters Joch
Jetzt kann kein Rat nicht sagen.
Die Nürenberger Stadt
Muß selbsten um Rat fragen
Wie’s sich z‘ verhalten hat

Wo bleibt Ulm mit dem Geld
dass man kann rekrutieren
Dem Feind entgegen führen
Hunderttausend ins Feld?
Die Kasse ist verschlossen.
Den Schlüssel sucht man zwar
Secht, eh ein Schuß ward g’schossen
Ließ Straßburg schon die Haar

Himmel, sag mir doch an.
Warum tät sich erst paaren
Straßburg in alten Jahren
Und nimmt ein welschen Mann?
Da es doch teutsch geboren
Und g’liebt die Jungfrauschaft
Solche ist jetzt verloren
Weil’s mit Franzosen b’hafft.

Mein, frag nicht lang warum?
Dann allein geschicht dergleichen
Die hin und wieder schleichen
Die nicht stets bleiben fromm:
Hätt Straßburg keusch geschlafen
Und nicht nach Buhlen tracht
Würd es mit seinen Waffen
Anjetzt nicht umgebracht.

Die Freund, Straßburg stehen da.
Und warten mit Verlangen
Was sein Buhl werd anfangen
Sagen stillschweigend ja
Niemand der sich dörft wagen
Den Buhl zu reden an
Straßburg selbst ihm all klagen
Was ihm selbsten getan

Darum sag nimmermehr
Dass eine Macht floriere
Die nicht alsbald verliere
Ihr Herz, Stärk, Sieg und Ehr
Wo sich Frankreich läßt blicken
Dann Marsch, der Siegesgott
Frankreich sein Hilf tut schicken
Europa nur zum Spott.

Darum sag nimmermehr
Daß Pracht, Geschütz. Witz sich finde.
So daß nicht bald verschwinde
vor Frankeichs Kriegesheer.
vom Geld ich nichts gedenke
Was Frankreich übrig hat
Fürcht, dass sich daran henke
Die alte Ulmer Stadt.

Sonder sing immerdar
Jo! Frankreich florieret
Allen den Zepter führet.
Mit Martis Kriegesschar
Frankreich glückselig sieget,
Erhalt allzeit das Feld
Als Frankreich unterlieget
Frankreich regiert die Welt

Zusatz:

Sag nimmermehr
Venediger Macht.
Augsburger Pracht,
Straßburger G’schütz
Nürnberger Witz
Ulmer Geld
Sondern sage
Frankreich regiert die Welt

Text und Musik:
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 318 „Übergabe von Straßburg“)

Anmerkungen zu "Venedig komm herzu"

Text bei W. von Ditfurth, historische Lieder. Es sei daran erinnert: dass Straßburg im westfälischen Frieden dem deutschen Reich erhalten blieb, aber unter Ludwig XIV. nach den willkürlichen Rechtsgutachten der Reunionen Frankreich zugesprochen und 1681 von den Franzosen besetzt wurde. Im Frieden von Ryswyk (1697) wurde die Stadt definitiv Frankreich zuerkannt.

Prof. Benjamin Neukirch (gestorben 1729) sagt in seinen Satyren und poetischen Briefen (Lpzg, 1732):

„Ihr Deutschen, saget doch zu euren Nachbarn nicht
Dass Frankreichs Ludewig den Frieden mit euch bricht
Indem er Straßburg nimmt. Er spricht : Es ist erlogen
Ich hab euch nicht bekriegt, ich hab euch nur betrogen“

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