Ich hab durchwandert Städt und Land

Ruhmlied auf Sachsens Bergbau

Ich hab durchwandert Städt und Land

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Ich hab durchwandert Städt und Land
viel Abenteuer zu schauen
und mich an manchen Ort gewandt
da viel Leut Bergwerk bauen
bis ich ersach ein schön Land Art
erzreich auf allen Seiten
da etwan gar viel Silbers ward
erbaut vor langen Zeiten

Viel Städte da durchkommen sein
In lang- und kurzen Jahren
Gar mancher Bergmann kommt darein
Die Bergart zu erfahren
Die ich einsteils hie nennen will
Wie wohl ihr mehr in Landen
Erreget haben Silber viel
Wie doch noch stehn vorhanden

Zu Freiberg in der Fürstenstadt
Drei Markgrafen zu Meißen
Ihr‘  jeder Hof gehalten hat.
Das Silber sach man gleißen
Ein schön Glanzerz noch heutzutag
Steht mächtig in viel Zechen
Wie wohl vor langen Zeiten pflag
Auf manche Ort zu brechen.

Viel Berggesellen findt man da
Geschickt zu allen Sachen
Gleichwie zu Schwatz und anderswo
Jährlich viel Silbers machen
Ganz freudig und beherzte Knecht
Sein liebend Wert zu haben
Zu Schimpf und Ernst, die dienen recht
Dieselben freien Knaben

Zum Geyerthum und Ebersdorf
Ist groß Gut lang Zeit funden
Das weißet mancher alter Schorf
Ist noch nicht gar verschwunden
Kein Müh noch Arbeit wird gespart
Viel neuer Bau zu treiben
Ein jedermann der Zeit erwart‘
verhofft soll fündig bleiben

Vom Schneeberg hat viel mancher Mann
Groß Gut und Geld erworben
Wiewohl ich doch vernommen han
Ihr’r viel sind ganz verdorben
Der Mißbrauch oft gar Ursach ist,
Die Bergwerk sich abschneiden
Die doch Gott zu keiner Frist
Hat Hoffart lasten leiden

Ich Hab gar manche Red gehört
Von diesem Berg erschallen
Wie daß noch nie an keinem Ort
Sei größer Ausbeut gefallen
Aus einer Zech, daselbst geschach
Sanct Jorgen that mans nennen
Wie mancher Mann mit Augen sah
Wird es noch heut bekennen.

Sankt Annenberg ganz tröstlich ist
Den Herzögen zu Sachsen
Erbauet ward in kurzer Frist
Viel Holz war da gewachsen
Die Stadt ist fern und weit bekannt
Das tun die Bergwerk machen
Viel Volk hat sich dahin gewandt
Ausrichten ihr Bergsachen

Viel großer Arbeit ist verbracht
In dreißig Jahr und Tagen
Wie viel des Silbers sei gemacht
Weiß ich nicht auszusagen
Das Erz ist noch nicht ganz erregt
Bricht schon an manchen Enden
Der Nutz und Gwinn viel Leut bewegt
Mehr Fleiß darauf verwenden

In Buchholz mancher Hauer ist
Tut sich des Bergwerks halten
Das läßt der Kurfürst dieser Frist
Durch sein‘ Bergvogt verwalten
Der Scheibenberg viel Silbers hat
Ausbeut darauf gegeben
Das Hofgesind in Hoffnung steht
Groß Erz noch zu erleben

Weil ich die Bergwerk nennen soll
m Meißner Land gelegen
Marienberg gefällt mir wohl
Gott wollt ihr‘ aller pflegen
Ein weiter Platz wird er geacht
Nämlicher Zeit erbauet
Da man täglich viel Silber macht
Des sich manch Hauer freuet

Der Wolkenstein ist wohlgebaut
Mit einem Tor beschloffen
Da man vorzeiten Silber fand
Das man baut unverdrossen.
Zu Treyach ging ein Bergwerk an,
viel Volks kam hin gelaufen
Zum Hohnstein ist auf dem weiten Plan,
Hat man auch Erz angetroffen

Der Schnabelweid ich auch gedenk
Ist genug an diesen Stellen
Fisch, Vogel, Wildpret, gut Getränk,
Darzu viel guter Gesellen
Bergreihen hört man singen viel
Tun manchen Mann erfreuen
Lob, Ehr und Preis ich singen will
Den frommen zarten Frauen

In einem Grund die Glashütt leit
Mit Bergwerk rings umgeben
Daselbst Hab ich in kurzer Zeit
Viel Zubuß ausgegeben
Der heilig Geist gibt jetzt sein Gnad
Viel Silbers läßt er machen
Viel Zechen schlafen in dem Bad
Bis daß sie auch erwachen

Von Hökendorf kommt groß Geschrei
Als würd viel Erz da brechenRhaw
Die Bergleut finden sich darbei
Und nehmen an viel Zechen
Was nun das Glück verleihen will
Wird mit der Zeit erschallen
Und welcher trifft das rechte Ziel
Bleibt Meister von ihn‘ allen

Groß Hoffnung ist in Wiesenthal
Ein mächtig Erz zu hauen
Wer noch ein Zeitlang leben soll.
Hat Lust, Bergwerk zu bauen
Der füg sich hin zu rechter Zeit
Viel Lehen anzunehmen
Wo ihm dann Gott ein Glück verleiht
Deß darf er sich nicht schämen . . .

WiewolderTal leit (liegt) aus dem Land
Auf böhmischer Erden
So wär es doch eine große Schand
Sollt sein vergessen werden
Weil da ein tröstlich Bergwerk ist
Muß ich es auch gedenken
Verhoff, mir werden kurzer Frist
Mein Kuckis Ausbeut schenken

Den Altenberg ich nennen will
Ist noch nicht zu verachten
Tröstlicher Bergleut findt man viel
Die nach dem Zinnwerk trachten
Des „Zwitters“ gnug gewonnen wird
Davon viel Leut gedeihen
Ein großen Bau man täglich führt
Gott wöll ihm Glück verleihn

Bei Pirna bricht man Eisenstein
Das kann ich nicht verschweigen
In dem Gyshübel, als ich mein
Da wachsen wenig Feigen
Den Hammerschmieden ist er gut
Eisen daraus zu machen
Damit man Geld erwerben tut
Dient wol zu allen Sachen

Der Bergwerk‘ hoch gefreiet sein
Ihr‘ eigen Bergrecht halten.
Wie solches wird klar und fein
Beschrieben von den Alten
Schlägel und Eisen brauchen sie
In ihrem Schild und Wappen;
Kein freier Volk ersach ich nie
Denn die edlen Bergknappen.

Dabei will ich es bleiben lan
Den Bergreihen beschließen
Verhoff, sö nehm sich Niemand an
Und laß‘ sich nichts verdrießen.
Die Bergwerk ich hoch preisen will
Tun Nutz und Frommen bringen
In Zuversicht: es werden viel
Das Lied mit Freuden singen

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1523 „Ruhmlied auf Sachsens Bergbau“)

Melodie und Text in Rhaw, Bicinia. Tom I. Vitebergae 1545. Nr. 79. Überschrift „Ein Bergreihen.“ — Merkwürdiges geographisches Gedicht, das speziell Sachsens erzreiche und blühende Bergwerke um jene Zeit besingt:  Annaberg, Freiberg, Hökendorf, Schwatz, Altenberg, Geier, Marienberg, Trabach, Berggießhübel, Georgenthal, Pirna, Wiesenthal, Buchholz, Glashütte, Scheibenberg, Wolkenstein, Ebersdorf, Hohenstein, Schneeberg

Liederthema: ,
Liederzeit: (1545)

Region: , , , , ,


Anmerkungen zu "Ich hab durchwandert Städt und Land"

Texterklärungen:

  •  5, 6: Bäu, im Orig. pew, pl. von Bau, neue Anbaue
  • 17, 1: Tal, Böhmisch Wiesenthal, Bergstadt an der sächsischen Grenze
  • 17, 8 Kuckis — Kur, Berganteil