Nun laube Lindlein laube (1500)

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Nun laube Lindlein laube

Nun laube, Lindlein, laube
Nicht länger ichs ertrag
Ich Hab mein Lieb verloren
Hab gar so traurig Tag

Hast du dein Lieb verloren
Hast du gar traurig Tag
Geh unter jenes Lindelein
Brich dir zwei Kränzlein ab

Das eine ist von Raute
Das andre von grünem Klee
Die schick ich meinem Buhlen
So viel er haben will.

Was schickt er mir denn wieder?
Von Gold ein Ringelein
Darauf da steht geschrieben
Schöns Lieb, vergiß nicht mein!

Wie sollt ich dein vergessen?
Ich gedenk ja deiner noch.
Doch sollts so länger währen
Mein Leben müßt ich lan.

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 405)

„lauben“: schlesisch loben, kuhländisch auslaeve = ausschlagen und Laub bekommen.

Schon im 15. Jahrhundert bekannt, der alte Text scheint verloren zu sein, hat sich aber in kuhländischer Mundart erhalten. (s. u.) Verwandtschaft zu „Ich hört ein Sichlein rauschen

Geschichte dieses Liedes:
Liederthema:
Liederzeit: (1500)

Anmerkungen zu "Nun laube Lindlein laube"

Das Lied ist eines Stammes mit: Ich hört ein Sichlein rauschen. In Oberhessen beginnt eine Variate des Liedes vom Sichelrauschen (Ldh. S. 314) :

„Ja grüne ist die Linde
Von Laub so grün und breit
Ich Hab mein Lieb verloren
Der Schaden ist mir leid.“

W. Wackernagel beginnt eines seiner Lieder (um 1830) „Nun laube Linde, laube!“

Die Melodie bei Triller 1559 im Tenor eines dreistimmigen Satzes mit dem geistlichen Texte: „Nun lobet mit Gesängen“ (Abdruck WK. IV. S. 74) und der Angabe: Ein Gesang auf die Weise: „Nu laube Lindlein laube.“ Die Melodie aus Triller wiederholt bei Praetorius 1609, aber geändert.

Der alte Text scheint verloren zu sein. Dafür hat sich als Ersatz das Lied in kuhländischer Mundart erhalten, bei Meinert 1817, Nr. 70, darauf ich zuerst im Altd. Ldb. aufmerksam machte.

Das Lied in kuhländischer Mundart:

Ai laev aus, Lendle, laev aus!
Ich kon’s ni lenger dertroen:
Ich hor verloen mai Livle,
Hor goer a’n traurige Tog.

„Houst du verlorn dai Livle
Houst du a’n traurige Tog,
Gi aunder dosselvige Leindle
Briech dir zwä Kranzlein o!“

Dos aene dos ies vo Raute,
Dos ander vo grunen Klie
Di scheick ich wuol ma’m Buhlen
Onn vels ar hohe viel.

Wos scheickt ar mir denn vieder?
Vo Gould a Reingerlain,
Doruff do stiet geschriven:
Schon Liv, vergieß ni mein!

Wi soulld ich dain vergaffe?
Ich gedenk ju dainer noch
Onn seillds su lenger veäre
Mai Lave mißt ich lon!

Dass das Lied schon im 15. Jahrhundert und zwar in Schlesien gekannt war, dafür bürgt folgendes Fragment in einem Quodlibet des Berliner Liederbuches, das aus dem15. Jahrhundert und wahrscheinlich aus Schlesien stammt: (Ms. mus. Z. 98, K. Bibl. Berlin):

Noten aus dem Berliner Liederbuch aus dem 15.Jahrhundert
Noten aus dem Berliner Liederbuch aus dem 15. Jahrhundert

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