Bremer Stadtmusikanten

Textilarbeiterstreik

Crimmitschau

| 1904

Der Crimmitschauer Textilarbeiterstreik von 1903 war einer der großen Kämpfe der deutschen Arbeiterschaft in den Jahrzehnten vor 1914. In Crimmitschau ( Sachsen ), einem der Zentren der deutschen Textilindustrie arbeiteten um 1900 ca. 7000 Arbeiter und Arbeiterinnen bei Hungerlöhnen und bei einem Arbeitstag von 11 Stunden und länger. Seit 1898 kämpften sie für eine Verkürzung ihrer Arbeitszeit um 1 Stunde auf 10 Stunden. Ihre Losung lautete: „Eine Stunde für uns —  Eine Stunde für unsere Familie — Eine Stunde fürs Leben!“ Die Textilfabrikanten lehnten bei den Verhandlungen mit der Textilarbeitergewerkschaft jede Arbeitsverkürzung ab und griffen schließlich zur Aussperrung der Arbeiter.

Damit begann in Crimmitschau Ende August 1903 ein rund sechs Monate dauernder  Streikkampf, der von Seiten der Unternehmer und des wilhelminischen Staatsapparates mit Hungermaßnahmen und Polizeiterror, von seiten der Arbeiter mit unsäglichen Entbehrungen, aber einmütiger Geschlossenheit und bis dahin beispielloser Solidarität geführt wurde, um die Streikfront zu brechen, versuchten die Unternehmer, Streikbrecher von außerhalb Crimmitschaus heranzuziehen. Als ihnen das in Sachsen nicht gelang, warben sie dafür im benachbarten böhmischen Land. Die Textilarbeiter appellierten an die internationale Solidarität: „Wir rufen die gesamte Arbeiterschaft Deutschlands und Österreichs auf… Streikbrecher müssen von Crimmitschau ferngehalten werden!“ hieß es in einem Flugblatt der Streikleitung.

Die Polizeiorgane wurden gegen die Streikenden eingesetzt, Streikversammlungen verboten, Streikpostenstehen verhindert und die Auszahlung der Streikunterstützung unter  Polizeiaufsicht gestellt. Im Dezember 1903 spitzten sich die Ereignisse derart zu, daß August Bebel dazu im Reichstag Stellung nahm. Er entlarvte die Heuchelei der Kapilisten, indem er feststellte: „Die Unternehmer sagen, gegen den Zehnstundentag haben wir nichts.  Aber wenn wir hier einen Antrag einbringen, stimmen sie, die Unternehmer, ihn nieder…“ Eine Woche später verhängte das Sächsische Innenministerium den Belagerungszustand über Crimmitschau .

Crimmitschau, Heimatmuseum ( siehe Ausstellung DHM )

Wenn auch der große Streik der Crimmitschauer Textilarbeiter im Januar des Jahres 1904 durch die reformistische Gewerkschaftsführung in Berlin abgewürgt wurde, bleiben der Kampf und seine Solidaritätsbewegung ein Ruhmesblatt der kämpfenden Textilarbeiter und der ganzen deutschen Arbeiterbewegung vor 1914.

Im Verlaufe des großen Streiks entstanden zahlreiche Streiklieder, Parodien bekannter unpolitischer Lieder, von denen einige volkstümlich wurden. Die große agitatorische und ermutigende Wirkung der Streiklieder wird von den heute noch lebenden Streikteilnehmern hervorgehoben. So schrieb Klara Bauch 1953 an das Heimatmuseum Crimmitschau „Aber uns Streiker konnte eben nichts verdrießen, da haben wir trotzdem unsere Streiklieder gesungen und unseren Streikmut nicht sinken lassen“ (nach K. Völkerling , zitiert durch Steinitz II , 1962)

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"Textilarbeiterstreik" im Archiv:

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Still ruht der Bau die Maurer streiken die Kelle liegt in guter Ruh der Kalk vertrocknet in dem Kasten weil man ihm gießt kein Wasser zu Still ruht der See die Maurer schlafen das Kalkfaß steht in guter Ruh Da kommt der Meester und setzt sich nieder und sieht den faulen Maurern zu Text: anonym […]

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In Sachsen liegt ein Städtchen das kennt fast jedermann da gibt´s ein Arbeitsvölkchen von siebentausend Mann Und dieses kleine Völkchen heißt Proletariat fürs Leben mehr ein Stündchen fünf Jahre lang es bat Umsonst war alles bitten um den Zehn-Stunden-Tag muß werden erst gestritten eh man´s erkennen mag Die Herren und die Fakse ihr werdet mich […]

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Ein Städtchen liegt im roten Königreich in dem ein Kampf jetzt zittert ein Kampf, der tobt, dem bisher keiner gleicht so heftig und erbittert Sie fanden´s gut, die noblen Herrn viel tausend Weber auszusperrn Der Ort, es kennt ihn jeder ganz genau es ist das Weberstädtchen Crimmitschau Gar eifrig steht die hohe Polizei wie´s Brauch […]


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