Liederlexikon: Erle

| 1908

Nach dem Eddalied entstanden das Weib aus der Erle und der Mann aus der Esche. Erlenholz gebrauchte man als den Holzmörser, in dem man mit dem harten Eschenquirler quirlte, um das Feuer zu erzeugen. Das Erlenholz bildete also den Feuerschoß und das Eschenholz den Feuerpenis. Dieses Feuerquirlen wurde bei den Germanen wie bei andern Völkern als ein Akt der Begattung aufgefaßt. So wurde die Erle zum Weib, der Eschbaum zum Mann. —

Vielleicht hat sich als Ausklang dieses Begattungsmotivs in England die Sitte erhalten, unkeuschen Mädchen einen Erlenzweig mit einem Bund Nesseln vor die Tür zu stellen (in Hitchin, Herefordchire).

ln der griechischen Mythologie hat die Erle (Schwarzerle) eine düstere Bedeutung sowohl wegen des dunkelgrünen Laubes, der dunkelbraunen Kätzchen und schwarzen Fruchtzäpfen als auch wegen der Vorliebe wässrigen, sumpfigen Bodens. Auch in deutscher Volksanschauung ist die Schwarzerle zum Gespensterbaum geworden (vgl. (den Erlkönig).

in Volkserotik und Pflanzenwelt (1908)

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