Komm Trost der Nacht o Nachtigall (1668)

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Komm Trost der Nacht o Nachtigall

Komm, Trost der Nacht, o Nachtigall
Laß deine Stimm‘ mit Freudenschall
aufs lieblichste erklingen
Komm, komm und lob den Schöpfer dein
weil andre Vögel schlafen fein
und nicht mehr mögen singen
Laß dein Stimmlein laut erschallen
denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel, hoch da droben

Obschon ist hin der Sonnenschein
und wir im Finstern müssen sein
so können wir doch singen
von Gottes Güt und seiner Macht
weil uns kann hindern keine Macht
sein Loben zu vollbringen
Drum dein Stimmlein lass erschallen
denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben

Echo, der wilde Widerhall
will sein bei dir Freudenschall
Und läßt sich auch hören
Verweist uns alle Müdigkeit,
der wir ergeben allezeit,
lehret uns den Schlaf betören.
Drum dein Stimmlein laß erschallen,
denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Die Sterne, so am Himmel stehn,
sich lassen Gott zum Lobe sehn.
und Ehre ihm beweisen:
die Eul‘ auch, die nicht singen kann,
zeigt doch mit ihrem Heulen an,
daß sie auch Gott tut preisen.
Drum dein Stimmlein laß erschallen,
denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Nur her, mein liebes Vögelein,
wir wollen nicht die faulsten sein
und schlafen liegen bleiben,
vielmehr bis daß die Morgenröt
erfreuet diese Wälderöd,
in Gottes Lob vertreiben:
Lass dein Stimmlein laut erschallen,
denn vor allen kannst du loben
Gott im Himmel, hoch dort oben.

Text: Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen (1668)
Musik: auf eine Chormelodie von Philip Nicolai von 1599 „Wie schön leuchtet der Morgenstern
Das Lied des Einsiedlers aus „Der abenteuerliche Simplicissimus“ von Grimmelshausen
in: Volkstümliche Lieder der Deutschen (1895)

Anmerkungen zu "Komm Trost der Nacht o Nachtigall"

Gedicht von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, gedruckt in dessen Abenteuerlichem Simplicissimus 1669 Nach einer spätern Ausgabe von 1713 Simplicissimi Lebendwandel 1 Bd S 28 in Wunderhorn I 1806 S 198 überschrieben „Schall der Nacht“. Goethe: „Wird gesungen herzerfreulich sein..“

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