In do hemel (Jungfrauentanz an den Gräbern)

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In do  hemel (Jungfrauentanz an den Gräbern)

In don hemel is eenen dans
Alleluja
daer dansen al de maegdekens
Benedicamus domino
alleluja alleleluja

‚tis vor amelia
Alleluja
wij dansen naer de maegdekens
Benedicamus domino
alleluja alleleluja

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 1060, dazu folgende Angaben:)

Eigentümlich ist im französichen Flandern der „Dans der maegdekens“, der bei Begräbnissen von Jungfrauen gesungen und getanzt wird. Coussemaker hörte ihn noch 1840 und erzählt darüber: „Wenn ein Mädchen in Bailleul gestorben war, so wurde ihre Leiche durch ihre früheren Spielgenosscn erst in die Kirche und dann nach dem Kirchhof getragen. War diese Pflicht erfüllt und der Sarg in das Grab gesenkt, erfassten alle anwesenden Mädchen das Sargtuch, das von blauer Seide gemacht war und in der Mitte ein großes Kreuz von weißem Seidenstoff trug, auf dem silberne Kronen gestickt waren. Mit diesem Tuche gingsn sie nach der Kirche zurück und sangen dabei das obenstehende geistliche Lied. Und zwar sangen sie mit oelcher Lebhaftigkeit, mit solchem Feuer und so stark hervorgehobenem Rhythmus, dass man sich schwerlich eine Idee davon machen kann, wenn man es nicht selbst gehört hat. Es ist eine Zeremonie, die für uns im jugendlichen Alter viel Anziehendes hatte. Jetzt ist das Sargtuch dort noch dasselbe, der Gesang scheint aber nicht mehr gestattet zu sein.“

In diesem beschriebenen Gebrauch ist hohes Altertum und (nach Coussemaker’s Meinung) „druidisch-skandinavische Erinnerungen“ nicht zu verkennen.

Man darf diesen Gebrauch wohl für den letzten Überrest der germanischen Totenopfer mit Gesang und Tanz an den Gräbern der Verstorbenen halten: ein heidnischer Gebrauch, der seit Karl’s des Großen Zeit wiederholt in der Kirche verboten wurde und hier eine christliche Umbildung durch lateinische Rufe erfahren hat. Der Mädchen-Tanz mit dem Sargtuch war offenbar eine Maßregel der Geistlichkeit : sie wollte die Gläubigen von den abscheulichen Spielen und Tänzen auf den Gräbern abhalten und gab darum dem uralten Gebrauch eine andere Wendung, einen gottestienstlichcn Charakter.

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