In der Penne tiefster Klause

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In der Penne tiefster Klause
in den Sänftling tief versteckt
pennt der dufteste der Kunden
bis der Penneboos ihn weckt.

„Dufter Kunde“, ruft er schmeichelnd,
„dufter Kunde“, wache auf.
„Denn die Kaffern sind schon munter
längst schon ritt der Teckel aus!“

Und der Kund‘ fühlt sich geschmeichelt
tritt ins Fremdenzimmer nun.
„Guten Morgen, dufte Kunden
auf die Fahrt, es gibt zu tun!“

Und der Kunde, hinterm Soruff
sucht er seiner Liebe Glück
denn es kehrte von der Winde
seine Schickse grad zurück.

Seht sie fechten! Hört sie kohlen
in dem Kaff voll Zuversicht!
Und der dufteste der Kunden,
Trittchen, Kluft und Schmorkies ficht.

Plötzlich, weh‘ der Deckel sah es,
und die Kunden gehen hoch
nur dem duftesten der Kunden
glückt es, zu verduften noch.

Und er schwöret ew’ge Rache
jedem Putz und jedem Schuck
Er fasst krampfhaft seine Finne
und entnimmt ihr einen Schluck.

Text: in einer wilden Penne Aachens von Alfred Hafner aufgeschrieben
Musik: auf die Melodie von In des Waldes düstern Gründen , aus dem Roman Rinaldo Rinaldini

u, a. in: Lieder der Landstrasse 

Liederthema:
Liederzeit: vor 1900 : Zeitraum:
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Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen:

Unter dem Titel „Rinaldo Rinaldini“ war das Lied „In des Waldes tiefsten Gründen“ bzw „In des Waldes düstern Gründen“ seit Beginn des 19. Jahrhunderts beliebt und weit verbreitet. Mit der Melodie entstanden viele neue Lieder.

In des Waldes düstern Gründen

Mit dem Text „Preisend mit viel schönen Reden“  wurde die Melodie auch zu einem Politischen Lied.  Justinus Kerner schrieb den Text 1818 nach dem Wiener Kongreß und dem Wartburgfest: Als Europas Fürsten 1815 beim Wiener Kongress Deutschland in viele kleine Staaten aufteilten, war wohl kaum einer unter ihnen, der seinen Kopf in den Schoß seiner Untertanen hätte legen können, ohne in Gefahr zu sein, geköpft zu werden. (Im gleichen Kontext „Den Mann den halt ich ehrenwert“.)

Bemerkenswert ist die Schlußwendung in der Melodie, die ganz klar die Marseillaise zitiert und damit das „Köpfen“ im Gedicht „Preisend mit viel schönen Reden“ mit der Guillotine der französischen Revolution verbindet, die ja gerade erst etwa zwanzig Jahre zurückliegt, als der Text entsteht.