Ich spring an diesem Ringe
des pesten, so ichs kan
von hübschen frewlein singe
als ichs geleret han. he -!
Ich rait durch fremde lande
do sach ich mancher hande
do ich die frewlein fand
Die frewelein von Francken
die sich ich alzeit gerne
nach in sten mein gedancken:
sie geben süßen kerne. he-!
Sie sind die feinsten dirnen
wollt got, solt ich in zwirnen —
spinnen wolt ich lernen
Die frewelein von Swaben
die haben gülden har
so dürfens frischlich wagen
sie spinnen über jar. he-!
Der in den flachs will swingen
der muß sein geringe
das sag ich euch fürwar!
Die frewelein vom Reine
die lob ich oft und dick
sie sind hübsch und feine
und geben frewntlich plick. he -!
Sie können seiden spinnen;
die newen liedlein singen —
sie sind der lieb ein strick
Die frewelein von Sachsen
die haben schewern weit
darin do poßt man flachse
der in der schewern leit. he-!
Der in den flachs will possen
muß haben ein Slegel große —
dreschend zu aller zeit
Die frewelein von Baiern
die künnen kochen wol
mit kesen und mit aiern
ir kuchen, die sind vol. he-!
Sie haben schöne pfannen
weiter dann die wannen
haißer dann ein kol
Den frewlein sol man hofieren
alzeit und weil man mag
die zeit, die kummet schire,
es wirt sich alle tag, he -!
Nu pin ich worden alde
zum wein muß ich mich halden
all die weil ich mag
Text und Musik: Verfasser unbekannt. Locheimer Liederbuch Nr. 42.
Das um 1460 in Nürnberg geschriebene Liederbuch bietet eines der ältesten erotischen Volkslieder in der deutschen Sprache: Schlußbemerkung des Schreibers: „Do halt ichs auch mit“ (Frater Judocus de Winßheim)
in Deutscher Liederhort II (1897, Nr. 930 „Mädchenkunde eines Fahrenden“)
Vergleiche auch die Entschärfte Fassung Ich spring an diesem Ringe