Gebhard mit Trug und List

Pasquille gegen Gebhard Truchsess

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Gebhard mit Trug und List
Churfürst du worden bist
Und nicht durch Gottes Ehren,
Dadurch sich auch tut mehren
Dein Unglück gross mit Haufen,
Dem wirst du nicht entlaufen

Erstlich aus Schwabenland
Welchem so weit bekannt
Ein Truchses auserkoren
Von dem du bist geboren
War hoch bei allen ständen
Des lob du itz thust schänden.

Was hast du dich geziehen
Dass du bist hinten blieben
Dein geschlecht also geschändt.
Durch Frau Agnes geblendt
Dardurch bist du so worden
Treulos an allen orten

Hast du nicht dazumol
Gleich noch beschämet wol
Aus einem falschen gewissen
Mit hülf der Calvinisten
Zu Gott ein eid geschworen
Gewisslich zu bleiben im orden

Agnes die ausgesprengte nonn
Kam auch zu dir nicht fromm.
Was mordes willt du anrichten
Blut zu vergiessen stiften
Hoffe doch zu Gott, dem herren
Wird deinem hochmut wehren.

Nun wird es sich heben an,
Gebhard du armer mann
Wann dich dein gewisseu thut nagen
Und gegen Gott verklagen
Dass du von deinem herren
Gewichen also fernen.

Treu, glauben und deine ehr
Der hast du keines mehr
Gott lässt nicht ungerochen
Dein eid hast du gebrochen
Zeitlich allhier auf erden
Darum musst du des teufels werden.

Truchsess du treuloser mann
Was Übels hast du gethan!
Agnes hast du vertrauet
Gott deinen Herren beraubet
Das rede, ich unverhohlen
Sein eigentuin gestohlen.

Rächen wird Gott an dir
Empfinden wirst du schier
Embsig kannst du nicht leben
All plag wird dich umgeben
Von Gott wirst du verlassen
Und alle weit dich hassen

Von Frau Agnes hast
Auf dich geladen ein last
Dass du von ihretwegen
Das Stift Cöln übergeben.
0 wehe des grossen thoren
Dass du bist geboren!

Keiner lebt auf erd
Der da ist ehren wert
Der dich darum thut preissen
Und hält dich für ein weisen
Dass du von Agnes wegen
Gott auf die seit thust legen.

Herzog Casimir der freunde dein
Wird bald abweichen fein
Ruhig zu hause bleiben
Dem fürsten nicht mehr schreiben
Die sach weisslich ausstreichen
Deutschland dadurch nicht schwalchen.

Herzog Ludwig am Rhein
All fürsten in gemein
Andere grafen und herren
Werden sich von dir kehren,
Endlich so musst du bleiben
Dein Unglück dir zuschreiben.

Sachsen, das fürstlich haus
Wird auch nicht ziehen aus
Deinethalben unruhe anheben,
Keinen sattel nicht auflegen
Wird haben Gott vor äugen
Auch andere leut, magst glauben.

Es wird der kurfiirst teuer
Von Brandenburg das feuer
Hoffe ich nicht anbrennen
Gott, seinen herrn, erkennen
Und ihm vertrauen von herzen,
Mit Gott keineswegs scherzen.

Sehet zu, ihr Cölnischen all
Was ist euer kurfürst zumal
Wie hat er euch betrogen
Schändlich verlogen
Wo wird er noch hiukommen
Mit seiner verlaufenen nonnen!

Gebhard, du törichter mann
Wo hast du dein Vernunft hin than
Das glück ist dir entschlichen
Gott mit seiner gnade abgewichen
Dein Unglück thut sich machen
Die kinder thun dein lachen

Mir gedenkt, und bin nicht alt,
Dass doch in besser gestalt
Zwen fürsten überzogen
Ist wahr und nicht erlogen
Carolum, den fünften mit namen
Mussten sich darum schämen.

Zur lehr führten sie schon
Nennt man confession
Wird die apostolische lehr
Mehr thut Calvinum verkehrn
Mich dünkt in all mein sinnen
Du werdest nicht viel gewinnen.

Du fährst auch in einem schein
Gottes wort muss auch da sein
Ein deil [?] zu deinen Dingen
Die silbere heiligen thust du bringen
Zu deinem gestohlen häufen
Sie werden dir entlaufen.

Auf wort: male quaesit
Folgt gleich: male perdit
Gedenk ans wort der alten
Der lieb Gott woll es walten
Wer dieses lied hat erdacht
Dein elend wol betracht,

Lebendig musst du sterben
Und in dir selbst verderben
Man wird es noch gedenken
Wirst dich, wie Judas, henken.

Text: Pasquille gegen Gebhard Truchsess, Verfasser unbekannt (1583)
Musik: Melodie von „Venus du und dein Kind
in „Pasquille gegen Gebhard Truchsess“, von Dr. Al Meister; in: „Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein insbesondere die alte Erzdiözese Köln“, im Namen des Vorstandes herausgegeben von Dr. Al. Meister, Professor der Geschichte in Münster i. W., 74 .Heft, Köln 1902, S. 159ff

Geschichte dieses Liedes:
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Liederzeit: (1583)

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