Es ritt ein Ritter wohl über Feld

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Es ritt ein Ritter wohl über Feld

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Es ritt ein Ritter wohl über Feld
er hatt‘ kein Freund, kein Gut, kein Geld
sei Schwesterlein war hübsch und fein
Ach Schwesterlein ich sag dir Lebwohl
ich sehe dich ja nimmermehr
Ich reite weg in ein fremdes Land
reich du mir deine weiße Hand
Adje! Adje! Adje!

Ich sah, mein schönstes Brüderlein
Ein buntig, artig Vögelein
Es hüpfte im Wacholderbaum
Ich warfs mit meinem Ringelein
Es nahm ihn in sein Schnäbelein
Und flog weg in den Walde fort
Mein Ringelein war ewig fort
Adje! Adje! Adje!

Schließ du dein Schloß wohl feste zu
Halt dich fein still in guter Ruh
Laß niemand in dein Kämmerlein
Der Ritter mit dem schwarzen Pferd
Hat dich zumalen lieb und wert
Nimm dich vor ihm gar wohl in Acht
Mannich Mägdlein hat er zu Fall gebracht
Adje! Adje! Adje!

Das Mägdlein weinte bitterlich
Der Bruder sah noch hinter sich
Und grüßte sie noch einmal schön
Da ging sie in ihr Kämmerlein
Und konnte da nicht fröhlich sein
Den Ritter mit dem schwarzen Pferd
Hätt‘ sie vor allem lieb und wert
Adje! Adje! Adje!

Der Ritter mit dem schwarzen Roß
Hätt‘ Güter und viel Reichtum groß
Er kame zum Jungfräulein zart
Er kame oft um Mitternacht
Und ginge wann der Tag anbrach
Er führt sie in sein Schlösselein
Zum anderen Jungfräulein fein
Adje! Adje! Adje!

Sie kam dahin in schwarzer Nacht
Sie sah daß er zu Fall gebracht
Viel edele Jungfrauen zart
Sie nahm wohl einen kühlen Wein
Und goß ein schnödes Gift hinein
Und trunk’s dem schwarzen Ritter zu
Es gingen beiden die Äugelein zu
Adje! Adje! Adje!

Sie begruben den Ritter im Schlosse fein
Das Mägdlein inbei ein Brünnelein
Sie schläft da im kühlen Gras
Um Mitternacht da wandelt sie umher
Am Mondeschein dann seufzet sie so sehr
Sie wandelt da in weißigem Kleid
Und klaget da dem Wald ihr Leid
Adje! Adje! Adje!

Der edle Bruder eilt herein
bei diesem klaren Brünnelein
Und sah‘ es sein Schwesterlein zart
Was machst du mein Schwesterlein allhier?
Du seufzest so, was fehlt dann dir?
Ich hab den Ritter in schwarzer Nacht
Und mich, mit bösem Gift umgebracht
Adje! Adje! Adje!

Wie Nebel in dem weiten Raum
Flog auf das Mägdlein durch den Baum
Man sah‘ sie wohl nimmermehr
Ins Kloster ging der Rittersmann
Und fing ein frommes Leben an
Da betete er vor’s Schwesterlein
Auf dass sie möchte selig sein
Adje! Adje! Adje!

Text und Musik: Johann Heinrich Jung-Stilling (1806)
Volkstümliche Lieder der Deutschen, 1895

Anmerkungen zu "Es ritt ein Ritter wohl über Feld"

Gedicht aus Heinrich Jung Stillings „Jugend und Jünglingsjahren“, Basel und Leipzig 1806 S 64. Daher Abdruck Erlach Volkslieder II 124. Mit Melodie in „Deutsche Lieder für Jung und Alt„, Berlin 1818 Nr 5, daher Kretzschmer I Nr 28, ohne Angabe des Dichters. Diese Ballade und auch die andern von Jung-Stilling, der vom Schneidergesellen bis zum Heidelberger Professor und Hofrath avancierte, sind durchaus keine Volkslieder, für die man sie lange gehalten hat. Die Dichtung erinnert an das Märchen vom Machandelbaum. Der märchenhafte Vogel im Wachholderbaum, der mit dem Ring davon geht, ist der treulose Geliebte. (Str 2). Gespensterhaft ist das Umwandeln des Mägdleins nach ihrem Tode, seufzend dem Wald ihr Leid klagend und ihr Auffliegen in Gestalt eines Vogels auf Nimmer Wiedersehn.,

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