Es kummt noch wol ein gute Zeit

Die Böhmer Schlacht

Volkslieder » Balladen

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Es kummt noch wol ein gute Zeit
Daß man in fremden Landen leit
Mit Pfeifen und mit Trummen
Nun merkt, ihr Herren allgeleich
Wie wir in Bayern sind kommen

Wir zugens Bayerland auf und ab
viel armer Leut Hab wir gemacht
Es blieb nit ungerochen
Gott aus seiner Gerechtigkeit
Hat ihn’n ihr Leben abbrochen

Der römisch Küng hat sich wol bedacht
Die Reichsstädt all zusammenbracht
Sogar in kurzen Weilen
Er ist gezogen Nacht und Tag
Gen Regenspurg tät er eilen

Der Wißbeck hat sich auch besunnen
Die Böhmen schuf er zu ihm kummen
Von ihn’n ist er geflohen
Wenn er war ein redlich Mann
Mit ihn’n wär er gezogen.

An einem Dornstag es geschach
Dass man die Böhmen ziehen sach
Mit Rauben und mit Brennen
Das tät den Fürsten also weh
Die Sach wollten sie wenden.

Sie sprachen fröhlich allgemein
Im Namen Gottes wirs greifen an
Ein Schlacht wöll wir vollbringen
Mariam Gotts Mutter, ruf wir an
Dass wir die Ketzer bezwingen

Der Küng was auf mit seiner Macht
Mit den Böhmen tät er ein Schlacht
So viel er mocht erlangen
Zweitausend Böhmen schlug er tot
Sechshundert nahm er gefangen

Der römisch Küng führt der Ehren ein Kron
In der Schlacht was er davornen dran
Braunschweig tu ich euch nennen
Er führt das Schwert in seiner Hand
Die Böhmen wollt er trennen

Herzog Albrecht was auch dabei
Der edelen Markgrafen drei
Sie haben sich wohl gehalten
Darzu Grafen, Ritter und Knecht
Sie wolltens Gott Lohn walten

Die Reichstädt, mein ich, allgemein
In der Schlacht hond sie das Best getan
Keiner wollt dahinten bleiben
Einer zu dem andern sprach
Die Ketzer wöll wir vertreiben

Die Landsknecht sein aller Ehren Wert
Sie hond sich wider die Böhmen kehrt
Sie wolltens frischlich wagen
Eilend liefen sie zu ihn’n
Ihr Keiner wollt verzogen

Märk Sittich von Ems ist auch daran
Ins erst Gelied hat er sich tan
Er hat sich wohl gehaben
Das wissen die frummen Fürsten wohl
Zu Ritter hond sie ihn geschlagen

Darnach zug wir gen Regensburg ein
Da hieß man uns gottwillkommen sein
Wir wurden schön empfangen
Wir lobten Gott von Himmelreich
dass es uns wohl ergangen.

Die Sach möcht noch wohl werden schlecht
Der Pfalzgraf kriegt doch wieder Recht
Das Siegel ward gebrochen
Das Land ist beiden Herzogen
Von München zugesprochen.

Noch wölln se d’Sach nit recht verstan
Landshut muß auch nachher gan
Heideck tu ich nennen
Sie kriegten wieder Ehr und Recht
ihr’n Herrn Möllen sie nit kennen

Das Lied hat diesesmal ein End
Bis dass ein besseres wird erkennt
Der Schimpf wird sich noch machen
Neuburg, Rhein und Wasserburg
Die wollen des nit lachen.

Der uns das Liedlein neu gesang
Hans Gern von Ems ist er genannt
Er hats gar oft gesungen
Das Bayerland zug er auf und ab
Kein Geld kunnt er bekummen

Text: nach einem fliegenden Blatt in v. Hormayr’s „Taschenbuch für vaterländische Geschichte“, 1829, S. 158 ff. Überschrift: „Die Behemer Schlacht“ — und überall die „Behem“ statt „Böhmen“
Musik: Die Melodie dazu hat sich unter ihrem Namen nicht gefunden. Mit großer  Wahrscheinlichkeit war es die zu: „Es geht ein frischer Sommer daher.“

in Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 255)

Anmerkungen zu "Es kummt noch wol ein gute Zeit"

Abdruck bei Liliencron, hist. VL., Nr. 241 ; Goedeke-Tittmann. S. 276.— Die Schlacht fand statt am 12. Sept. 1504 in der Nähe des Schlosses Schönberg bei Regensburg, zwischen dem Pfalzgrafen Ruprecht mit seinem böhmischen Kriegsvolk (daher der Name) und seinem Gegner im Bavrischen Erbfolgestreite, Herzog Albrecht. Mit ihm fochten Kaiser Maximilian, Erich von Braunschweig, nebst andern Fürsten und den für den Landfrieden aufgebotenen Reichsstädten. Es blieben über 1500 Böhmen tot, 700 wurden gefangen.

Zum Text:

  • 2, 5 im Original steht abbrochen statt abgebrochen
  • 4, 1 Georg Wisbeck, Feldhauptmann des Pfalzgrafen
  • 9, 5 lon, lan, lassen.
  • 10, 2 hond, habent, haben
  • 12, 1 Märks, Marx (Marcus) Sittich von Ems
  • 12, 3 gehaben, gehalten
  • 16, 3 Schimpf Scherz, Spiel, hier Kriegsspiel.

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