Diogenes lag vor der Stadt Korinthus in der Sonne

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Diogenes lag vor der Stadt
Korinthus in der Sonne
und schmauchte sein Kartoffelblatt
mit philosophischer Wonne

Da täten Stutzer aller Art
dahin des Weges schwenzeln,
um unsern alten Knasterbart
zu necken und zu hänseln

Der hört mit voller Seelenruh
die Witzelein beissend,
kehrt ihnen nur den Rücken zu
die rechte Mitte weisend

Da kam auch mit dem Hofgeschmeiss
der grosse Alexander
und sprach: „Ich glaub‘, wir sind beim Zeus
jetzt alle beieinander

Trat dann aus dem Gefolg‘ heraus
den Weisen zu beschatten:
„Bitt‘ Er sich eine Gnade aus
es geht heut‘ gut von statten!“

Darauf versetzt mit sanftem Ton
Diogenes der Weise:
„Geh‘ nur ein wenig aus der Sonn‘
mir altem Jubelgreise!“

Da wollte das Gefolg‘ ihn flott
sogleich am Kragen packen,
es trieb ihm dieser freche Spott
das Vollblut aus den Backen

Doch staunend rief der hohe Herr:
„Das sieht ein blinder Hess‘ ein,
wenn ich nicht Alexander wär
möcht ich Diogenes sein!

Die Schüler haben’s nachgemacht
Diogenes vor der Tonne
und lagen selbst um Mitternacht
noch in der „Gold’nen Sonne“!

Text: Ludwig Eichrodt – 1853
Musik: “ Stimmt an mit hellem hohen Klang “ –
in “ Allgemeines Deutsches Kommersbuch

Liederthema:
Liederzeit: vor 1853 : Zeitraum:
Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen:

Nach einem 14-strophigen Neujahrsgedicht „Es war erst frühe Dämmerung“, mit dem Matthias Claudius den Jahrgang 1773 des Wandsbecker Boten eröffnete, entstand um 1794 eine gekürzte Fassung mit dem neuen Anfang: „Stimmt an mit hellem hohem Klang“. Das Lied wurde zunächst besonders von Studenten auf eine Melodie von D. Spazier gesungen. Die populärste Fassung von Methfessel steht 1818 in dessen „Commers- und Liederbuch“. Das Lied ist besonders von deutschnationalen Burschenschaftern gesungen worden und entstand im Kontext der Befreiungskriege gegen das napoleonische Frankreich. Es ist vielfach parodiert und umgedichtet worden.