Sieht er wir gehen irr (Das Abenteuer des Pfarrers Schmolke und des Schulmeisters Bakel ?)


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Sieht Er wir gehen irr? Da stehn
Die Ochsen nun am Berge
Ich warnt Ihn wohl nicht links zu gehn
Doch Er ist Faselgörge
O weh die Nacht ist schauerlich
Ach Bakel rett Er mich und sich

Hie haeret aqua, mein Herr Pfarr
Ich weiß nicht mehr zu helfen
Doch zittr ich gar nicht wie ein Narr
Vor Räubern und vor Wölfen
Horaz sagt: Purus sceleris
non eget Mauri jaculis

O wär Er doch und Sein Latein
Beim Styx und ich im Bette
Er treibt wohl gar noch obendrein
Mit meiner Angst Gespötte?
Doch still dort flimmert tief im Schoß
Des Tals ein Licht Gehn wir drauf los

Cur non mi domine
Es muß ja dort ein Mensch logiren
Der Herr mit Schwanz und Pferdefuß
Wird da nicht residiren
Hin cito hin! Schon wittr ich schier
Ein Gläschen gutes Magenbier

Lossteuerten nun auf das Licht
Die Herren deren Namen
Der Titel nennt Bald hätt ich nicht
Gesagt woher sie kamen
Sie schleppten sich von einem Schmaus
Sammt ihrem Kuchensack nach Haus

Erreicht war jetzt die Hütt im Tal
Ein Mann in brauner Weste
Empfing mit finsterm Blick und kahl
Die späten schwarzen Gäste
Sie baten bis zur Tageszeit
Um Dach und Fach er war bereit

Doch meine Herren mir gebricht´s
An Betten Ich kann Ihnen
Zu Ihrer Leibesruh mit nichts
Als einer Strohbucht dienen
Die soll im obern Kämmerlein
Wenn Sie belieben fertig sein

Wehmüthig sah auf seinen Bauch
Der Pfarr als wollt er sagen
Wird dir du fettes Schneckchen auch
Das harte Stroh behagen
Doch Bakel sprach: Perfectum est
sub sole nil. Mach Er das Nest

Kaum sagt er´s als es schon geschah
Der arme Pastor Schmolke
Hing weil er keinen Stutzbock sah
Ans Fenster seine Wolke
Warf sich auf die verhaßte Streu
Und sein Gefährte nebenbei

Nur eine dünne Brettwand schied
Die Pilger von dem Wirte
Der jetzt ein langes Abendlied
Mit seinem Weibe schwirrte
Den Abendsegen las und dann
Noch dieses Bettgespräch begann

Ja Frau sobald der Morgen graut
Will ich die Schwarzen schlachten
Sie sind wenn man sie recht beschaut
Viel fetter als wir dachten
Der eine Bursch ist kugelrund
Mir wässert schon nach ihm der Mund

Der Wirt ein frommer Fleischer sprach
Mit Ehren zu vermelden
Von seinen Schweinen. aber ach!
Wie zagten unsre Helden
Sie standen in dem tollen Wahn
Die Rede ging ihr Leben an

He Bakel schläft Er Hört Er nicht
Was in der Nebenstube
Der Menschenfresser von uns spricht
Ach eine Mördergrube
Ist dies vermaledeite Haus
Wär ich lebendig nur heraus

Proh dolor! Doch wir stehen ja
Noch nicht in Charons Nachen
Noch können viel convivia
Ihr Bäuchlein runder machen
Sperr oculos! Sehn Sie nicht hier
Ein Fenster Durch das springen wir

Ja so ein leichter Flederwisch
Wie Er kann das wohl wagen
Und dennoch seinen Leichnam frisch
Und wohl nach Hause tragen
Ich aber stürzte Gott erbarm
Gleich in des Todes offnen Arm

Die Bakelsche Beredsamkeit
Gab sich noch nicht gefangen
Und bombardirte lange Zeit
Mit Gründen auf den bangen
Verzagten Seelenhirten los
Bis er zum Hoppas sich entschloß

Nun war nur noch die Frage wer
Voran hoppassen sollte
Sie disputirten hin und her
Und keine Seele wollte
Bis endlich noch der Pädagog
Zuerst hinab ins Höfchen flog

Er stürzte salva venia
Auf einen Berg von Dünger
Es lag sich gar nicht unsanft da
Auch schmerzt ihn nicht ein Finger
Doch jetzt fiel wie ein Felsenstück
Sein plumper Freund ihm aufs Genick

Nach Felsensitte wich er auch
Kein Haar trotz Bakels Fluchen
Der mußte durch des Hügels Bauch
Sich einen Ausweg suchen
Zum Stehen brachte Schmolken kaum
Ein aufgefundner Hebebaum

Stockfinster war’s in Strömen schoß
Der Regen von dem Dache
Und vor der Hofthür lag ein Schloß
Traun eine schlimme Sache
Denn fruchtlos war nun ihr Bemühn
Dem Kannibalen zu entfliehn

Sie machten sich schon ganz bereit
Der Welt Valet zu singen
Und wünschten nur ihr Restchen Zeit
Im Trocknen hin zu bringen
Wer mäßig wünscht der wird erhört
Wie täglich die Erfahrung lehrt

Drum konnten auch die Herren bald
Sich eines Obdachs freuen
Es war des Thieres Aufenthalt
Das Moses Kinder scheuen
Nun weiß wolJeder auf ein Haar
Daß es das Haus der Schweine war

Hurr floh das wilde Rüsselvieh
Durch’s aufgemachte Pförtchen
An seiner Statt bezogen sie
Sein warmes Lagerörtchen
Umarmten sich wie Brüder fein
Und sprachen Muth und Trost sich ein

Bedenk er Freund was ist das Grab
Ein Thor zu bessren Zonen
Wo ruhen wird der Bettlerstab
Vertraut bei Kaiserkronen
Dann bleibt er nicht mehr Famulus
Der die Agende tragen muß

Ja schön sagt der Lateiner so
Si hora mortis ruit Tunc is fit
Irus subito Qui modo Croesus fuit
So sprachen sie die Nacht entlang
Bis Morgenlicht in’s Höfchen drang

Jezt knarrte plözlich eine Thür
Der braune Menschenfresser
Erschien mit rascher Mordbegier
Und wetzte seine Messer
Heraus ihr Schwarzen frisch heraus
Mit eurem Leben ist es aus

Er griff hinein mit fester Hand
Um eine Sau zu holen
Doch schnell als hätt er sich verbrannt
An Bakels dicken Sohlen
Fuhr er zurück wie toll im Sinn
Und schrie Der Teufel steckt darin

Den Leidensbrüdern ward nun so
Des Irrthums Staar gestochen
Ihr Hauswirth war nicht minder froh
Als sie dem Stall entkrochen
Das Abenteuer dieser Nacht
Ward jezt aus Herzensgrund belacht

Beim Abschied schwor das Kleeblatt zwar
Den Spaß nicht zu verrathen
Doch bat ich jüngst den leckern Pfarr
Auf einen Wildbretsbraten
Drob freute so sich sein Gemüth D
aß er die Schnurre mir verrieth

Text: AFE Langbein


Liederthema: Gedichte
Liederzeit: (1794)
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