Schwing dich auf, Frau Nachtigall geschwinde

Botschaft durch die Nachtigall (Botenlied).

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Schwing dich auf, Frau Nachtigall geschwinde,
Vor meines Liebchens Fensterlein dich finde
Sing ihm das Lied, welches ohn Beschweren
Neu erdacht meinem Schatz zu Ruhm und Ehren:

Ich komm her von euer schönen Zarten
Welche mich aus ihrem Rosengarten
Sendet zu euch, samt einem Kränz geringe
Den ich von ihrent wegen bringe

Glück und Heil sie wünscht von Herzen Grunde
Ihrem Schatz zu jeder Zeit und Stunde
Ihr zartes Herz ist gar sehr besessen
Sie kann ihres Liebchen nicht vergessen

Je länger je lieber heißt ein Blümelein
Daraus hat sie gemacht das Ehrenkränzelein
Augentrost ist darunter gemenget
Vergißmeinnicht mit eingesprenget

Auch ist viel Ehrenpreis darinnen
So werdet ihr des Wohlgemuths wohl innen
Der Kranzbügel ist mit Ehren gewunden
Ein treues Herzlein hat ihn gebunden

Merk noch mehr, was sie mir hat befohlen
Das sag ich euch ganz frei unverhohlen
Ohn Antwort soll ich nicht wieder kommen
Darum merkt, was ihr von mir vernommen.

Fleißig Hab ich dein Botschaft verstanden
Antwort soll auch sein bei mir vorhanden
Schwing dich auf mit deinem zarten Gefieder
Und grüße mit mein tausend Herzelein wieder

Nichts Liebers hätt sie mir können schicken
Dadurch sie tät mein junges Herz erquicken
Als das Kränzlein mit den schönen Blumen
Die man sonst selten tut bekommen

Ein Demant, ein Stein gar hart und teur
Welchen auch verzehren kann kein Feuer
Ist kaum meinem Herzen zu vergleichen
Doch tat es das Kränzlein erweichen

Von mir sag dem allerschönsten Herzen
Eitel Freud und Wonn‘ ohn allen Schmerzen
Tu ihr vor der Presentz großen Dank sagn
Fröhlich bin ich, weil sie mir ist gewogen

Sprich, ich will sie wieder nicht vergessen
Ob ich mich gleich nicht kann hoch vermessen
Schwing dich auf, sag ihrem roten Mund
Gute Nacht, Glück, Heil zu aller Stund!

Fliegendes Blatt vom Jahr 1639 auf Königlichen Bibliothek zu Berlin. Abdruck Mittler. Volkslieder. 594.
Deutscher Liederhort II (1893, Nr. 492)

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