Rübezahl zaubert etlichen Kuh- und Ochsenköpfe an


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Es soll sich auch auf eine Zeit begeben haben, daß Rübezahl sich in eine verlassene Herberge gemacht und sich wie ein stattlicher Wirt erzeiget, indem es sich begeben, daß unterschiedliche vornehme Leute vorbei gereiset und sich über Nacht allda haben bewirten lassen. Zwar anfänglich, wie die Gäste angekommen, ist wenig Köstliches zu sehen gewesen, aber in kurzer Zeit waren die Tische gedeckt und lagen auf den Bänken herum etliche leere Fässer und große Klötzer, darinnen steckten Hähne, wie sonst in den Fässern zu sein pflegen.

Noch ferner hatte der Rübezahl das eine Fenster in dem Saale hübsch wie einen Schrank vermacht, den tat er auf und nahm immer eine Schüssel voll Essen nach der andern heraus und setzte sie auf den Tisch. Ein Teil war kalt, ein Teil noch ein wenig warm. Und als er dies vorgetragen hatte, meinten die Gäste, es wäre nun alles geschehen, da gehet er abermals hin und bringet noch mehr Gerichte.

Da fingen sie erst an sich zu verwundern, wo das herrliche Essen herkommen möchte und wie er so viel drinnen beherbergen könne. Aber sie schwiegen doch stille und hätten gern getrunken, fragten: ob nicht was zu trinken vorhanden wäre? Der unbekannte Rübezahl nahm einen Stab, schlug an die Wand, da kam ein schöner Jüngling heraus, ganz wohl wie ein Deutscher gekleidet und gezieret, der hatte zween güldene Becher in seiner Hand, darauf stunden des Türkischen Kaisers Namen und Wappen; ging hin zu dem einen leeren Fasse und zapfte einen guten Spanischen Wein heraus, setzte den auf den Tisch und ließ sie den versuchen.

Bald schlug Rübezahl an eine andere Seite der Wand, da kam herfür eine hübsche Jungfrau, hatte einen ganzen Korb voll schöner, kunstreicher, güldener und silberner Trinkgeschirre, darunter vieler Fürsten und Herren Namen und Wappen waren, und sonderlich des Königs in Frankreich und Spanien; auch anderer vornehmer Prälaten, daß sie genug daran zu sehen hatten. Diese Dame ging hin zu dem dürren Klotz, zapfte einen guten und köstlichen Rheinischen Wein heraus und gab ihn den Gästen. –

Oben über dem Tische hing ein hölzernes Rohr. Wenn einer ein wenig Wasser haben wollte, so hielt er sein Geschirr an das Rohr, da lief das Wasser hinein, so lange er an das Rohr klopfte, doch wußte niemand, wie das Wasser hinein käme; denn es hing oben an einem Zwirnsfaden.

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Liederthema: Allgemein
(1811)
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