Liederlexikon: Lieder aus dem Rinnstein

| | 1905

Lieder aus dem Rinnstein

Hans Ostwald: Lieder aus dem Rinnstein – Erschien in den Jahren 1903-1905 in der „Harmonie“ Verlagsgesellschaft Literatur u. Kunst Berlin und bei Karl Heuckell & Co.
„Lieder aus dem Rinnstein“, ist die erste umfassende Zusammenstellung von Landstreicherliedern, Kundenliedern, Handwerkerliedern, sowie Lieder aus Kaschemmen und Herbergen.  Auch gesellschaftliche Aussenseiter der damaligen Zeit, Zigeuner, Landstreicher, Bettler und Huren, kommen bei Ostwald zu Wort

„Als ich vor Jahren auf der Landstraße und in Herbergen leben musste, hörte ich Lieder von seltsamem Klang. Gewiss, alte Volks- und Wanderlieder wurden auch gesungen, aber die echten „duften Kunden“, die gewohnheitsmäßigen Landstreicher, sangen andere Weisen. Wie so viele meiner wandernden Genossen schrieb ich mir diese Lieder auf. Lieder der Landstraße, sind eine treffliche Illustration zum poetischen Schaffen des Volkes.

Sie zeigen, wie das Volk mit dem gegebenen Text eines Gesanges sich nicht begnügt, wie es so ein Lied erst durch die Einfügung seines eigenen Lebensinhaltes für sich gewinnt und für sich lebensfähig macht. Ich denke, diese Sammlung bringt alle Töne, die je „im Rinnstein“ geklungen oder noch klingen. Der Kundenschall (Kundengesang) weist noch die Sprache der Landstreicher und Wegelagerer von vor 100 – 150 Jahren auf, während fast alles, was ich sonst unter dem Titel „Aus Pennen, aus Kaschemmen und von der Straße“ veröffentlichte, in modernen Landstreicherdeutsch gedichtet ist.  (Hans Ostwald in der Einleitung)