Bremer Stadtmusikanten

Johann Benjamin Michaelis

| 1740

Geboren in Zittau der Oberlausitz 1740 ,   gestorben am 30. September 1772 in Halberstadt.

Johann Benjamin Michaelis, ein zu früh verstorbner deutscher Dichter des 18. Jahrhunderts, zu Zittau in der Oberlausitz 1740 geboren empfand frühzeitig eine große Neigung zur Dichtkunst, welche Gellerts und Kleists Schriften bei ihm erweckt hatten. Ein Gedicht, das er als Schüler an Gottsched sendete, und ein zweites, das er 1764 der verwitweten Kurfürstin von Sachsen, Antonie, überreichte, fanden bei beiden vielen Beifall; indess wurde dennoch seine kümmerliche Lage nicht eher verbessert, als bis er 1766 seine Fabeln herausgab, welche Gellerts Beifall erhielten, noch mehr aber durch die Baurede, die er bei Richtung des 1766 neu erbauten Schauspielhauses zu Leipzig verfertigte, und welche ihm der berühmte Professor Oeser, bei dem er zeichnen lernte, übertragen hatte.

Jetzt hätte er, durch Vorsorge Gellerts, Weissens und Gleims (mit welchem er, durch Oeser empfohlen, einen vertrauten Briefwechsel unterhielt) und durch ein ansehnliches Stipendium unterstützt, sein akademisches Leben ruhig vollenden können; allein das Studium der Medizin, dem er sich gewidmet hatte, wurde ihm immer verhaßter. Er verließ daher im J. 1770 Leipzig und ging nach Hamburg, wo er die ihm angetragene Direktion der dasigen bekannten politischen Zeitung übernahm, aber auch bald wieder, zum Teil wegen seiner allzu ängstlichen Genauigkeit, verlor.

Durch Lessings Vermittlung erhielt er nun die Stelle eines Theaterdichters bei der Seylerischen Schauspielergesellschaft. Allein das, bei dieser nötige, Herumreisen war für seinen von Natur schwächlichen, und durch eine Nervenkrankheit noch mehr geschwächten Körper zu beschwerlich. Er ging daher 1771 nach Halberstadt zu Gleim, der ihm schon vorher Haus und Tisch angeboten hatte, um hier unabhängig von dem Ertrag seiner Arbeiten zu leben. Allein schon am 30. September 1772 starb er hier an einem wiederholten Blutsturze in seinem 26sten Jahre.

Sein Tod war unstreitig für die deutsche Dichtkunst kein unbedeutender Verlust. Denn seine wenigen hinterlassenen Schriften zeigen deutlich, was er, bei reiferen Jahren, wurde geleistet haben, besonders im Gebiete der Satire, zu der er den entschiedensten Hang hatte. Außer seinen Fabeln, Satiren und Operetten (von welchen letzteren aber nur Ein Band erschien) wurden besonders seine poetischen Briefe (deren nur sechs sind) mit vielem Beifall aufgenommen. Auch verdient es bemerkt zu werden, dass er unter den Deutschen zuerst den Gedanken faßte, Virgils Aeneide zu travestieren, welchen Stoff in neueren Zeiten Blumauer mit vielem Beifall und vollständiger bearbeitete. Von Michaelis Travestierung erschien nur das erste Buch 1771 einzeln, und in der Folge noch ein Anfang des zweiten. Am vollständigsten sind seine sämtlichen Werke zu Wien 1791 in 4 Teilen zusammen gedruckt.

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 8. Leipzig 1811, S. 58-59

 

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