Liederlexikon: Der alte Feldherr

| | 1825

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Theaterstück von Karl von Holtei von 1825. Enthaltend die deutsche Volkslieder gewordenen “Fordere niemand mein Schicksal zu hören” und “Denkst du daran mein Tapferer Lagienka“.
Wie Holtei selbst berichtet, wurde das Stück “nach der ersten Aufführung verboten, dann wieder gestattet, dann wieder untersagt. Nach einigen Jahren war das Stück vergessen und begraben. Das Jahr 1830 weckte (den alten Feldherrn) wieder auf, und er begann die sogenannte große Tour durch Norddeutschland zu machen. ..”. Holteis “Alter Feldherr” ging “als das Polenstück par excellence von Bühne zu Bühne, häufig ein Anlaß politischer Demonstrationen und behördlicher Verbote”.) Dieses Lied über den Freiheitskampf der Polen von 1792 und 1794 diente dann als Vorlage diverser Freiheitslieder aus der deutschen Revolution von 1848/1849 . (nach Steinitz II (1962))
Mit dem Lied “Denkst du daran mein tapferer Lagienka” feierte “das große improyisatorische Talent Holteis, seine Gewandtheit in Behandlung von Vers und Reim, seine Gabe zu rühren und zu begeistern, den höchsten Triumph. Und war auch der “tapfere Lagienka” eigentlich nur eine getreue Nachbildung einer bonapartistischen Chanson von Emile Debraux und der Held desselben ein Pole, der gegen Preußen gefochten, er wurde dennoch ein deutsches Volkslied, das man hundertfach in Ernst und Scherz parodierte, das auf fliegenden Blättern und auf den Schwingen der edlen Melodie nach allen vier Winden flatterte, in den Kasernen wie auf den Dorfgassen, in den Herbergen eines ehrsamen Handwerks wie im Goethe-Hause aus dem Munde Ottiliens erklang, ja die deutsche Sprachgrenze im Osten überschritt und in Polen sich bis zum heutigen Tag als polnisches Nationallied erhielt; und in dem Lebensromane Holteis, den herrlichen “Vierzig Jahren”, finden sich wenig schönere und tiefer ergreifende Stellen als jene, in welcher . . . [er] uns erzählt, wie er, dem bis dahin die Literatur beharrlich ihre höheren Weihen, die Öffentlichkeit ebenso beharrlich einen vollen Erfolg versagte, in der Sylvesternacht 1826 durch die Straßen von Paris streifend seinen Lagienka von deutschen Handwerksburschen singen hörte, nur knapp ein Jahr nach der ersten Aufführung. Was für den deutschen NapoIeon-Cultus Heines “Grenadiere”, die höchste Verklärung durch die Volkstümlichkeit, das ist für die Kosciuszko-Dichtung und zugleich für unsere ganze Polen-Literatur Holteis “Denkst du daran…”
Vom Standpunkte der’Literaturgeschichte gesehen bildet die Kosziusko-Dichtung einen integrierenden Bestandteil der Polenliteratur;. sie nimmt aktiv und passiv teil an allen Phasen des deutschen Polenkultus, wenngleich ihr berühmtestes Produkt [Holtei´s “Der alte Feldherr”] außerhalb desselben erwachsen und erst von nachbessernder Hand demselben angegliedert worden ist.” (Zitate in: Robert F. Arnold : Tadeusz Kosciuszko in der deutschen Literatur , Berlin , 1898 )



"Der alte Feldherr" im Archiv:

Holtei

Karl von Holtei wurde am 24.1.1798 in Breslau geboren, wo er auch am 12.2.1880 starb.  Der Sohn einer Offiziersfamilie nahm als Freiwilliger an den Befreiungskriegen teil und studierte anschließend Jura (ebenfalls in Breslau) Dabei faszinierte ihn das Theater, wo er sich als Schauspieler, Dramaturg, Regisseur und Bühnendichter betätigte. Er war an vielen Bühnen zu Gast und leitete viele Jahre größere Theater in Berlin und seiner Heimatstadt Breslau. Nach der Revolution von

Fordere niemand mein Schicksal zu hören

Ford´re niemand mein Schicksal zu hören dem das Leben noch wonnevoll winkt ja, wohl könnte ich Geister beschwören die der Acheron besser verschlingt Aus dem Leben mit Schlachten verkettet aus dem Kampfe mit Lorbeer umlaubt hab ich nichts, hab ich gar nichts gerettet als die Ehr´ und das alternde Haupt Keine Hoffnung ist Wahrheit geworden selbst des Jünglings hochklopfende Brust

Denkst du daran mein tapferer Lagienka

Denkst du daran mein tapferer Lagienka daß ich dereinst in unserm Vaterland an Eurer Spitze, nah bei Dubienka viertausend gegen sechzehntausen stand Denkst du daran, wie ich vom Feind umgeben mit Mühe nur die Freiheit uns gewann ich denke dran, ich danke dir mein Leben doch du Soldat, Soldat, denkst du daran? Denkst du daran wie wir bei Krakau schlugen

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