Bremer Stadtmusikanten

Poltische Umtriebe im Kanton Bern

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Bericht Politische Lieder Bern 1836
Bericht Politische Lieder Bern 1836

Bericht an den Regierungsrath der Republik Bern betreffend die politischen umtriebe politischer Flüchtlinge und andrer Fremden in der Schweiz mit besonderer Rücksicht auf den Canton Bern. Gedruckt in der Hallerschen Buchdruckerei 1836

Gegen das Ende des Maimonats erhielt das Tit. Präsidium des hohen Vororts die offizielle Kenntniß daß einige Tage vorher zu Zürich ein Complott von deutschen Flüchtlingen und Handwerkern entdeckt worden die sich nicht nur politischer Umtriebe schuldig gemacht sondern auch die Absicht gehabt haben sollen von der Schweiz aus einen bewaffneten Einfall in das Großherzogthum Baden zu bewerkstelligen und daß gleichzeitig eine geheime Versammlung aller Theilnehmer auf Samstag den 28 Mai nach Gränichen im Canton Solothurn dem Aufenthaltsort des berüchtigten Italieners Mazzini welcher überall als das Haupt der Verschwörung erscheint angeordnet worden.

Einige Zeit nachher wurde von dem Herrn Regierungsstatthalter von Biel einberichtet, daß eine Versammlung von circa 20 bis 25 Fremden in dem Wirthshaus zu Brügg des hierseitigen Amtsbezirkes Nidau am obbemerkten Tag statt gefunden bei welcher der Lehrer Schüler zu Biel das Präsidium geführt haben solle Dieses veranlaßte Sie Hochgeachtete Herren auf den Bericht der Justiz Sektion des Justiz und Polizei Departements in Betrachtung daß die hochverrätherischen Umtriebe deren der Schüler bezichtet werde in genauer Beziehung mit denjenigen welche neulich im Canton Zürich statt gefunden zu stehen scheinen daß dieselben sich über mehrere Amtsbezirke unseres Cantons erstrecken und daß die gesammte Untersuchung nothwendigerweise von einem Centralpunkte aus geleitet werden müsse mich unterm 25 Juni letzthin als außerordentlichen Regierungs Commissär mit der Fortsetzung des angehobenen Voruntersuchs gegen Schüler und alle andern in die gleichen Complotte verwickelten Personen zu beauftragen Da nun dieser polizeiliche Untersuch wenigstens so weit vorgerückt ist daß die gesönderten Akten gegen die beiden Lehrer Schüler und Weingart zu Biel als den einzigen hiesigen Cantons Angehörigen die der Theilnahme an hochverrätherischen Umtrieben beschuldigt sind und daher dem Richteramt anheim gestellt werden können so beeile ich mich erhaltenem Auftrag zufolge über das Resultat desselben folgenden Bericht zu erstatten der das Ergebniß von 88 Abhörungen circa 110 Originalbriefen und mehr als 1000 Seiten Akten enthaltet Wenn auch meine Aufgabe nur in einem summarischen polizeilichen Untersuch bestund der keine Lösung von Widersprüchen in den Aussagen oder gerichtliche Vorkehren bei hartnäckigem Läugnen zuließ sondern sich lediglich auf die Ausmittlung des Thatbestandes und der Identität der mehr oder weniger in diese sträflichen Umtriebe verflochtenen Fremden zur ungesäumten Fortschaffung derselben beschränkte so war dennoch dieselbe mit nicht unbedeutenden Schwierigkeiten verbunden Schon der Umstand daß die in diesen Umtrieben implicirten Personen zum Theil aus politischen Flüchtlingen oder Verführern und größern Theils aus verführten Handwerksgesellen bestehen die größtentheils kein bleibendes Domicilium haben sondern in mehrern Cantolien zerstreut sind daß folglich die errichteten Klubbs und Comités ebenfalls einer beständigen Veränderung sowohl in ihren Personal als Lokalverhältnissen unterworfen waren erschwerte die Untersuchung um so mehr als nicht nur kein allgemein eidgenössischer sischer Central Untersuch aus verschiedenen Gründen zulässig war sondern in andern Cantonen entweder keine oder nur partielle also unzulängliche Nachforschungen statt fanden und auch hiervon keine Mittheilungen an irgend eine Centralbehörde zu Abfassung eines Gesammtberichtes erfolgt sind Besonders schwierig wurde die vollständige Entdeckung der Verbündeten und ihres Treibens auch dadurch daß die Mitglieder der verschiedenen Klubbs besondere Kriegs oder Spitznamen tragen daher in den Correspondenzen nicht immer nach ihren wahren Namen genannt und selbst den Untergeordneten mehrstens nur nach ihren Spitznamen bekannt sind Ferners daß die Verschwornen theils durch Eide theils durch feierliche Verpflichtungen zur Verschwiegenheit verbunden sind und somit entweder aus Furcht vor Verfolgung oder wohl gar der Todesstrafe keine oder nur unbestimmte Auskunft gaben mehrere aber wie z B Schüler sich nicht scheuten auf Ehre und Gewissen ja selbst unter Eidesversicherung Thatsachen zu negiren die bereits erwiesen waren und die sie nachher zugestehen mußten oder Behauptungen aufstellten welche notorisch unwahr sind Der Untersuch zeigt indessen daß schon der Einfall der Polen in die ruhige Schweiz auf die nachherigen Umtriebe in derselben einen nicht unbedeutenden Einfluß gehabt hat Das despotische Comité d honneur veranlaßte die Flüchtlinge anderer Nationen zu einer gleichen Organisation wozu die ehrsüchtigen Deutschen besonders empfänglich waren so daß bereits gegen das Ende des Jahres 1833 die polnischen italienischen französischen und deutschen Flüchtlinge von denen die Schweiz angefüllt war sich nach ihren Nationen eng verbündet und eigene geheime Comités organisirt hatten denen einzig zu gehorchen sie verpflichtet WM M Auch dürfen wir uns nicht bergen daß die arglose  und zuvorkommende gastfreundliche Aufnahme welche angebliche und wirkliche Flüchtlinge verschiedener Nationen bei uns fanden selbst auf die innere Entwicklung unsrer eigenen Staatsverhältnisse einen höchst nachtheiligen Einfluß hatte weil ein großer Theil dieser exotischen Pflanzen nicht in unser Clima paßten Es ist sich daher nicht zu verwundern daß wenn diese Fremdlinge von welchen man keine andere Legitimation über Herkunft und Leumden forderte als höchstens einen Steckbrief und die nicht nur als Freunde des Hauses Aufnahme sondern sogar Anstellungen selbst in wichtigen Staatsämtern fanden ihre eraltirten politischen Ansichten die im eigenen Vaterlande keinen Anklang gefunden in dem unsrigen zu realisiren suchten und wie von einer fixen Idee beseelt sich nicht be gnügten im bescheidenen Genuß des Asyls sich zu erfreuen und dem Lande welches ihnen Gastfreundschaft gewährte nützlich zu sein sondern sich einbildeten als ob sie eigentlich berufen seien um in der ruhigen freien Schweiz die Rolle politischer Reformatoren zu spielen und die Schweizer über die wahren Begriffe von Freiheit Völkerrecht und Staatshaushalt zu belehren dabei aber ihr Augenmerk ganz vorzüglich nach dem Auslande richteten und ganz Europa selbst zu einer politischen Wiedergeburt zu bringen und zu regeneriren hofften unbekümmert ob sie dadurch die Schweizer unter sich entzweien und die Störung eines guten Vernehmens mit den Nachbarstaaten sammt allen daraus unvermeidlich entstehenden nachtheiligen Folgen herbeiführen Ich bin es jedoch der Wahrheit schuldig zu erklären daß nicht alle Flüchtlinge das ihnen gewährte Asylmißbraucht haben Es lassen sich dieselben füglich in 3 Classen theilen a Solche welche von ihrem Eintritt in die Schweiz hinweg sich dem Lande nützlich zu machen suchten sich in keine politischen Verbindungen einließen sondern den Umtrieben gänzlich fremd und abgeneigt waren und sich daher die Achtung und Freundschaft aller derjenigen erwarben welche sie kennen gelernt haben ihre Zahl ist aber nicht groß b Diejenigen welche zwar an den formellen VerbindUngen keinen Unmittelbaren Antheil genommen haben deren Namen daher nicht in den neuern Klubbs Verzeichnissen zum Vorschein kommen werden die aber nichts desto weniger im Geheimen in der Verbrüderung begriffen sind und durch Rath und That die formellen Verbindungen unterstützten und ihre Zwecke zu befördern suchten und c Solche welche sich wie die religiösen Schwärmer von höherer Hand berufen und begeistert wähnen für die Befreiung aller Völker werkthätig zu sein und die mit Hintansetzung alles Gefühls für Dankbarkeit und Anstand alle Mittel ergreifen die zum Zweck führen und daher als die Leiter und Führer der formellen Verbindungen anzusehen sind Diesen Letztern müssen noch beigezählt werden diejenigen Handwerker die sich verleiten ließen als untergeordnete Werkzeuge dieses politischen Fanatismus zu dienen und in die geschlossenen Verbindungen zu treten Diese beiden letztern Classen b und c sind es mit welchen der Untersuch es zunächst zu thun hatte Wie schwierig es aber wäre dieselben zuerst von den erstern und sodann unter sich so genau auszuscheiden daß keinem Unrecht geschehe kann nur derjenige begreifen der die verwickelten Verhältnisse die sich nach Zeit und Ort anders gestalteten zu beurtheilen im Stande ist Nicht nur wollten die Beklagten keine oder nur falsche Namen nennen und verlangten dennoch den gesetzlichen Beweis ihrer Schuld und gerichtlichen Untersuch sondern sie läugneten mit einer Frechheit ohne gleichen Thatsachen die sie später selbst zugestehen mußten Der Untersuch so unvollständig er auch ist zeigt dennoch daß eine allgemeine Verschwörung unter vielen politi schen Flüchtlingen verschiedener Nationen in der Schweiz zum Umsturz der Monarchien und Einführung republikanischer Verfassungen denen sich jeder beigesellen konnte der die Grundsätze derselben theilt schon seit Anfang des Jahres 1834 förmlich organisirt war und seither ununterbrochen mit mehr oder weniger Thätigkeit fortbestanden hat Um diesen geheimen Bund in seiner Organisation Tendenz und Wirksamkeit näher zu kennen hätten freilich ganz andere als die mir zu Gebote gestandenen Hülfsmittel vorhanden sein sollen Indessen wird auch das Wenige was über denselben und die ihm untergeordneten Nationalverbindungen gesagt werden kann hinlänglich sein die Gefahren darzustellen denen die Schweiz ausgesetzt gewesen und ferner ausgesetzt sein würde wenn nicht durch übereinstimmendes Handeln diesem ansonst nur momentan gestörten Unwesen ein Ende gemacht wird

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