Liederlexikon: Arbeitslieder

| 2016

Zumeist werden als Arbeitslieder jene Lieder bezeichnet, die den Arbeitsrhythmus direkt begleiten, indem sie eine Gruppe von Arbeitern zu gleichmäßigem Arbeitsrhythmus vereinigen. Der Rhythmus des Liedes regelt dann den Fortgang einer gleichförmigen körperlichen Arbeit. Diese Lieder sind kennzeichnend für Arbeiten, die eine große gemeinschaftliche, ruckweise verlaufende und wiederholte Kraftanspannung verlangen. Man kann sie als Arbeitstaktlieder bezeichnen. Sie verschwinden mit der Einführung von Maschinen.

Ihr Kern ist der Arbeitsruf, den wir heute noch z.B. in dem »Hau-ruck« kennen. Vielfach erklangen sie im Wechsel von Vorsänger (Vorarbeiter) und Chor der Arbeitenden. Auch ihre Struktur ist oft zweigeteilt in die wiederholten, gleichbleibenden Arbeitsrufe, die den Arbeitsvorgang regeln, einerseits und vielfach variierte Zwischentexte andererseits.

Diese Zwischentexte eröffnen der improvisatorischen Variation viele Möglichkeiten. Arbeitsvorgang und Arbeitsweise, Werkzeug und Arbeitsort, Klagen über Mühen und Plagen der schweren Arbeit, schlechte Behandlung, Kost und Leben, Sehnsucht nach Rast und Feierabend sind häufig ihr Inhalt. Vielfach kommen auch scherzhafte oder erotische Aussagen und Anspielungen vor.

Es konnten auch beliebte Lieder durch Einfügen eines sich wiederholenden Arbeitsrufes zu Arbeitstaktliedern umgeformt werden. Für das Arbeitslied der Seeleute ist dieser Vorgang oft bezeugt (Strobach, Shanties).
Arbeitslieder dieser Art sind über die ganze Erde verbreitet. Seit der Aufnahme volkstümlichen Liedgutes in die bürgerliche Literatur, Chronistik und Publizistik in dem mit der frühbürgerlichen Entwicklung verbundenen Aufschwung städtebürgerlicher Kultur im 15. und 16. Jahrhunden sind auch deutsche Arbeitstaktlieder erhalten.

Allerdings können die Arbeitstaktlieder nur als eine Gruppe des Arbeitsliedes betrachtet werden. Unterschiedlichste Arbeitsvorgänge begleiteten und begleiten z.T. andere Lieder, die weder in Struktur noch Inhalt mit Verlauf und Rhythmus des Arbeitsprozesses übereinstimmen. Sie laufen neben dem Arbeitsvorgang einher und können der Unterhaltung im weilesten Sinne des Wortes während der Arbeit dienen und dadurch die Arbeit erleichtern oder die Arbeitshaltung stimulieren helfen. Für diese Funktion kann Liedgut der verschiedensten Art dienen. Es kann gesungen oder durch Medien vermittelt werden.

(nach: Schürz Dich Gretlein : Deutsche Volkslieder II )

Siehe auch:

    Arbeitslieder im Archiv:

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    Ach, ach, ach und ach Ach wie ein harter Schluß Weil, weil, weil und weil Weil ich aus Nürnberg muß So schlag ich Nürnberg aus dem Sinn Und wende mich. Gott weiß wohin. Ich will mein Glück probieren Marschieren. Der, der. der und der Der Abschied fällt mir schwer Doch fällt mir dieser Trost noch ... Weiterlesen ...
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    Ach hilf mir, lieber Herr! Dein Meer ist gar so groß, mein Schifflein ist so klein. Drum hilf mir, lieber Herr, und laß mich nicht allein! Text und Musik: Verfasser unbekannt – Aus der Bretagne.