Ich weiß ein frisch Geschlechte

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Ich weiß ein frisch Geschlechte
Das sind die Bursenknechte
Ihr Orden steht also:
Sie leben ohne Sorgen
Den Abend und den Morgen
Sie sind gar stätiglich froh
Du freies Bursenleben!
Ich lob dich für den Gral
Gott hat dir Macht gegeben
Trauren zu widerstreben
Frisch Wesen überall

Sie können auch nit hauen
Des Morgens in dem Taue
Die schönen Wiesen breit
Sonder die schönen Frauen
Die können sie wohl schauen
Die Nacht bis an den Tag
Das macht ihr freis Gemüte
Der schönen Frauen klar
Gott selber sie behüte
Durch seine milde Güte
Die minnigliche Schaar!

Wie selten sie auch messen
Das Koren, das sie essen
Und was der Metzen gilt!
Die Bauern müssen schneiden
Und darzu Gerwel reiben
Viel gar ohn ihren Dank
Du feines Bursenleben!
Ich lob dich für den Gral:
Gott hat dir Macht gegeben
Trauren zu widerstreben.
Frisch wesen überall

Text: Verfasser unbekannt
in Deutscher Liederhort III (1894, Nr. 1682 „Bursenleben“, ohne Noten)

Deutsches Studentenlied aus der Münchner Handschrift 379, Pap. 4°, vom Jahr 1454, Nr. 27. Daher Uhland Nr. 261, nach ihm hier. Als sorglos fröhlich und viel verliebt, dabei des Bauers schwere Arbeiten beim Heuen, Ernten und Mahlen belächelnd — wird hier das Studentenleben geschildert. (Böhme)

Liederthema:
Liederzeit: (1454)



Anmerkungen zu "Ich weiß ein frisch Geschlechte"

Erklärung:

  • 1, 2 und 6: Bursa, lat, Zusammenkunft auf gemeinschaftliche Kosten: Kurse, später Bursche, Mitgenosse gleicher Lebensweise und Beschäftigung, besonders im Studentenleben, später auch gebraucht für Handwerksgesellen (Handwerksbursch) ; daher Burschenschaft, Verein von Studenten
  • 1, 8 Gral, das Gefäß (Schüssel) mit dem heil. Blut Christi, höchstes Kleinod in der Parzifalsage.
  • 1, 11 Wesen, sein
  • 2, 4 sonder = aber, ohne (Bezeichnung des Gegensatzes).
  • 3, 2 Koren, Korn, bes. Dinkel.
  • 3, 3 Metze. Abgabe an den Müller, Lohn fürs Mahlen
  • 3, 5 Gerwel reiben, die Handmühle drehen.
  • 3, 6 ohne Dank — mit Widerwillen.