Zwei Eisengitter scheiden Dich von mir

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Zwei Eisengitter scheiden Dich von mir!
Dazwischen schreitet auf und ab der Wächter
Die Liebe schwingt ihr heiliges Panier
Ein Talisman für Dich und mich, ein echter

Kein Händedruck, kein Kuß! – kein Gitter fällt
Und keine Hand kann durch die Stäbe langen
Und selbst das Wort von Laurern rings umstellt
Es bleibt im Bann, es ist wie Du gefangen

Die Ihr Euch liebt in Freiheit hoch beglückt
Vermögt Ihr wohl ein solches Wiedersehen?
Euch auszumalen, Herz an Herz gedrückt
Wie möchtet Ihr vor solchem Gitter stehen?

Wir standen so: Wir sahn uns Aug in Aug
Ein Siegeszeichen strahlt von unsren Stirnen
So zieht im Sturm ein Sonnenaufgangshauch
Um ferner Alpen hochgetragne Firnen

Und Sonnenaufgang war’s und Lerchenruf
Und Hallelujahsang aus höhern Sphären!
Noch einmal Gott die schöne Welt erschuf
Und es ward Licht; die Schöpfung zu verklären

Und es ward Licht! die Augen wurden hell
Dass Seel um Seele auf den Grund sich schauten
Und jubelnd flog das Herz zum Herzen schnell
Dass sie sich so das Seligste vertrauten

Zwei Eisengitter zwischen Dir und mir
„Vorbei die Stunde!“ mahnt der rauhe Wächter
Die Liebe schwingt ihr heiliges Panier
Ein Talisman für Dich und mich, ein echter

Louise Otto-Peters
Bruchsal, im August 1851

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Liederzeit: vor 1851 : Zeitraum:
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Geschichte dieses Liedes:

Zur Geschichte dieses Liedes:

Parodien, Versionen und Variationen: Ein über mehrere Jahre verfasstes Gedicht von Louise Otto-Peters. Den Schriftsteller August Peters hatte Louise Otto in den 1840er Jahren kennengelernt. 1849 verlobte sie sich mit ihm in seinem Gefängnis, wo er eine Strafe wegen der Teilnahme an den Revolutionskämpfen von 1848/49 verbüßen musste. Nach dem Erlass seiner Reststrafe ... weiter lesen