Bremer Stadtmusikanten

Es wohnt ein Herr von Haren (Die Fischer)

Gedichte | , | | 1784 |

Es wohnt ein Herr von Haren
Vor etwa fünfzehn Jahren
Auf seinem Gute Wölbst
Der hatte seine Freude
An seinen Söhnen; Beide
Er zog der Vater selbst

Er ließ sie zu vergnügen
Bald einen Drachen fliegen
Bald ihnen doch von fern
Im Forst die Eber zeigen
Und bald Raketen steigen
Bis an den nächsten Stern

Auf einem Teich der mitten
Im Garten lag, durchschnitten
Sie oft auf einem Kahn
Die kleinen krausen Fluten
Mit ihren Angelruten
Den gier´gen Hecht zu fahn

Dies Fischen und dies Wiegen
Im Kahn war ein Vergnügen
Das gern sich Tag für Tag
Gemacht die Junker hätten
Nur daß der Kahn an Ketten
Und einem Schlosse lag

Als Herr und Frau von Haren
Einst in der Kirche waren
Und sich deß nicht versahn
Da suchten ihre Jungen
Den Schlüssel ach und sprungen
Damit fort nach dem Kahn

Bei herzlich frohem Mute
Schwebt ihre Angelrute
Nun mitten übern Teich
He! rief ein Hirt der nahe
Am Zaun stand und dies sahe
Säh jetzt der Vater euch

Doch unsre Junker kehrten
Den Rücken ihm und hörten
Die Warnung kaum mit an
Jetzt zuckt die Schnur o Freude
O großer Fang für Beide
Ein Karpfen hängt daran

Der Eine bückt sich über
Den Rand des Kahns; darüber
wird ihm der Kopf zu schwer
Der Bruder will nicht sinken
ihn lassen. Beid ertrinken
Folgt ihr den Eltern mehr

Text: Goeckingk (1784) , zuerst in Campe : Kinderbibliothek (1784)
in: Als der Großvater die Großmutter nahm (1885)

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