Es stand ein Lind im tiefen Tal (Trauerbotschaft) (1817)

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Es stand ein Lind im tiefen Tal
War oben breit und unten schmal

Gar oben saß Frau Nachtigall
Und andre Vöglein in dem Wald

Ach Nachtigall. Waldvögelein
Zeig mir dein weißes Federlein

Zeig mir sie weiß, zeig mir sie rot
Lebt mein Lieb, oder ist er tot

Er lebt nicht mehr, sie hab’n erschlagn
Sein Grab soll edle Rosen trag’n

Und edle Rosen und ander gut Kraut
Hält ich mei’m schön Lieb nie vertraut

Viel zu vertraun ist selten gut
Die Knaben tragen ein falschen Mut

Ein‘ stolzen Mut und falschen Sinn
Betrügen manches Mägdlein schön

Und wenn sie es betrogen ho’n
So lassen sie’s in Spott und Hohn.

Die jungen Knaben die halten ihr Wort
Gleich wie der Wind jagt Federn fort

Aber junge Mägdlein, die halten ihr Wort
So, wie der Wind keinen Stein bringt fort

Text und Musik: Verfasser unbekannt
in deutscher Liederhort II (1893, Nr. 414 „Die Nachtigall bringt Trauerbotschaft“)

Kuhlandisch: Meinert, 1817, Nr. 120. Original:
„Dos stound sen a Lindl aim tife Thal
woer ounde beraet onn uobe schmol“
(Abdruck: Mittler 336)

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